Vorschau auf Börsenwoche
Ausblick: Notpaket kontra Rezessionsfurcht

Trotz des milliardenschweren Rettungspakets für die angeschlagene Finanzbranche werden die US-Börsen nach Einschätzung von Händlern in dieser Woche weiter unter Druck stehen. Vor allem Rezessionsängste machen den Börsianern nach den schlechten Konjunkturdaten am Freitag zu schaffen.

HB NEW YORK. Die US-Wirtschaft hatte im September so viele Stellen gestrichen wie seit rund fünfeinhalb Jahren nicht. "Die Realität ist, dass es Monate dauern wird, bis sich die Kreditmärkte erholen. Bis dahin werden die Börsen wegen der rapiden Verschlechterung der Konjunktur sehr nervös bleiben", sagte Fred Dickson von D. A. Davidson & Co.

Das US-Repräsentantenhaus hatte am Freitag das 700 Mrd. Dollar schwere Rettungspaket für die Finanzbranche gebilligt, das Präsident George Bush dann umgehend unterzeichnete. Mit dem Paket will die US-Regierung der angeschlagenen Finanzbranche faule Hypothekenkredite abkaufen, um die Finanzkrise in den Griff zu bekommen. Weil der ehemals riesige Markt für diese Immobilien-Papiere weitgehend zusammengebrochen ist, mussten viele Banken gigantische Verluste verbuchen - viele brachen unter den Folgen zusammen. "Auch mit der Verabschiedung des Rettungsplans werden wir voraussichtlich immer noch eine leichte Rezession bekommen", warnte John Praveen von Prudential International Investments Advisors. Als Rezession gelten zwei Quartale mit rückläufiger Wirtschaftsleistung hintereinander.

Die traditionsgemäß mit der Bilanz des US-Aluminiumkonzerns Alcoa am Dienstag startende Berichtssaison zum dritten Quartal wird Experten zufolge den Fokus der Anleger verstärkt auf zu hoch gesteckte Gewinnerwartungen lenken. Am Donnerstag stehen dann die Zahlen des US-Ölkonzerns Chevron und am Freitag die Bilanzdaten von General Electric (GE) an. Der breit aufgestellte Mischkonzern hat bereits eine Gewinnwarnung für das dritte Quartal abgegeben, was US-Multimilliardär Warren Buffett nicht daran hinderte, drei Mrd. Dollar in den Industriegiganten zu investieren.

Die US-Börsenaufsicht SEC will das in der Finanzkrise verhängte Verbot von Leerverkäufen wie erwartet am Mittwoch aufheben. Leerverkäufe (Short Selling) sind Spekulationen auf fallende Kurse: Dabei leihen sich Händler Aktien von anderen Börsianern und verkaufen sie in der Hoffnung, einen Profit zu machen, wenn der Kurs fällt. Diese Art von Geschäften kann den Abwärtstrend einer Aktie dramatisch beschleunigen und so die Börsen stark belasten.

Am Freitag hatten die US-Börsen mit einer Talfahrt auf die Annahme des Finanz-Rettungspakets reagiert und ihre schlechteste Woche seit sieben Jahren beendet. Händler hatten bereits einkalkuliert, dass das Repräsentantenhaus doch noch grünes Licht für die Wall-Street-Rettung gibt. Und die Börsianer wurden derart von den Sorgen um die Wirtschaft geplagt, dass sie aus dem Paket keine große Hoffnung mehr schöpfen konnten. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verließ den Handel 1,5 Prozent im Minus bei 10 325 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index gab 1,35 Prozent auf 1099 Zähler nach. Der Technologie-Index Nasdaq sank um 1,5 Prozent auf 1947 Stellen.

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