Wall-Street-Vorschau
US-Börsen: Es muss auch ohne GM gehen

In der Hoffnung auf positive Konjunktursignale richten die US-Börsen ihren Blick in der kommenden Woche fest nach vorne. Zwar droht gleich zum Auftakt mit einer Pleite der Opel-Mutter General Motors eines der schwierigsten Insolvenzverfahren in der Geschichte der größten Volkswirtschaft.

HB NEW YORK. Die Anleger erwarten jedoch von den anstehenden Konjunkturdaten Hinweise darauf, dass die USA das Gröbste überstanden haben. Als Zugpferd könnten sich nicht zuletzt Titel aus der Energiebranche erweisen, sollte es Signale für ein Anziehen der Rohstoffnachfrage geben.

„Wenn wir zu einem gewissen Maß an Wachstum zurückkehren würden - gekoppelt an eine moderate Inflation -, dann wäre dies das bestmögliche Szenario für den Aktienmarkt und die Rally geht weiter“, sagte Sasha Kostadinov von Shaker Investments. Die Börsen beendeten mit Mai den dritten Monat in Folge mit Zugewinnen - dies gab es seit Herbst 2007 nicht mehr.

Im Falle des GM-Bankrotts verschwindet ein Pfeiler der amerikanischen Industrie aus dem Dow-Jones-Index und die Wall Street steht vor einer historischen Umstrukturierung. Hinter vorgehaltener Hand werden unter anderem Google, Goldman Sachs und Monsanto als Nachrücker genannt. Die Auswirkungen auf die Märkte dürften Händlern zufolge aber wohl eher gering bleiben. Die Aktien des einst weltgrößten Autokonzerns fielen am Freitag um mehr als 33 Prozent auf 75 Cent und damit auf den Wert eines Penny-Stocks.

Größer hingegen sind die Sorgen vor den Folgen für die Gesamtwirtschaft. Wenn GM pleite geht, steht zehntausenden Beschäftigten die Arbeitslosigkeit bevor. Auf der Konjukturseite werden die Marktteilnehmer daher besonders die am Freitag anstehenden Zahlen vom Arbeitsmarkt unter die Lupe nehmen. Nach Reuters-Daten ist mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 9,2 Prozent nach 8,9 Prozent im Vormonat zu rechnen.

Gedämpft werden könnten die Konjunkturhoffnungen auch durch eine Verteuerung von Rohstoffen und Krediten. „Höhere Benzin- und Kreditkosten setzen die Verbraucher zusätzlich unter Druck“, sagte Craig Peckham von Jefferies & Co. Dies drohe die Erholung zu verzögern.

Mit Spannung wird eine Anhörung des Chefs der Notenbank Fed, Ben Bernanke, im Kongress erwartet, von dem sich die Anleger am Mittwoch Auskünfte über die Flut neuer Staatsanleihen versprechen. Die Investoren sind besorgt, dass ein möglicher Anstieg der Renditen, der die Attraktivität der Papiere steigern soll, Unternehmen und Verbraucher vor neue Probleme stellt.

Am Freitag schloss der Dow-Jones-Index 1,2 Prozent fester mit 8500 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 1,4 Prozent auf 919 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legte 1,3 Prozent auf 1774 Stellen zu. Auf Wochensicht ergab sich für den Dow ein Plus von 2,7, für den S&P von 3,6 und für die Nasdaq von 4,9 Prozent. Im Mai verbuchte der Dow damit einen Gewinn von 4,1, der S&P von 5,3 und die Nasdaq von 3,3 Prozent.

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