Weltgrößte Terminbörse geht am 1. Februar 2004 am US-Derivatemarkt mit einer eigenen Handelsplattform ins Rennen
Die Eurex will in den USA durchstarten

Mit der Gründung einer eigenen Börse in Chicago will die deutsch-schweizerische Eurex den US-Markt erobern. Wie das Handelsblatt bereits vorab berichtet hatte, will die weltweit größte Terminbörse mit ihrem US-Ableger „Eurex US“ am 1. Februar 2004 an den Start gehen. Ein entsprechender Antrag zur Erteilung einer Lizenz wurde am Dienstag bei der zuständigen Aufsichtsbehörde Commodity Trading Futures Commission (CFTC) eingereicht.

FRANKFURT/M. Eurex US wird zunächst Futures und Futures-Optionen auf amerikanische und europäische Zinsprodukte sowie Futures auf Aktienindexprodukte anbieten. Und dies in den wichtigsten Währungen der Welt: Dollar und Euro. Der Handel von Aktienoptionen wird an Eurex US zunächst nicht möglich sein. Kunden können während des zwanzigstündigen Handels künftig Futures und Futures-Optionen auf 2-, 5- und 10-jährige Treasury Notes und 30-jährige Treasury Bonds - also US-Staatsanleihen - handeln. Darüber hinaus werden von der neuen Börse Futures auf 2-, 5- und 10-jährige europäische Zinsen - die weltweit liquidesten börsennotierten Derivate überhaupt - angeboten. Abgerundet wird die Angebotspalette durch Kontrakte auf den Dax und den DJ Euro Stoxx 50.

US-Anleger haben so nach Angaben der Eurex erstmals direkten Zugriff auf die liquidesten europäischen Futureskontrakte. Die Kontrakte werden von der The Clearing Corporation in Chicago abgerechnet und abgewickelt. Anfang September hatte die Eurex eine 15 %ige Beteiligung an diesem Abwicklungsdienstleister erworben und so einen ersten Schritt zur Umsetzung ihrer US-Initiative getan. Alle europäischen Produkte werden auch weiterhin an der Eurex in Frankfurt gehandelt und sowohl im Handel als auch im Clearing mit dem Markt der US-Tochter fungibel sein. Wegen der ungewöhnlich langen Handelszeiten an der Eurex US geht der Handel nahtlos von der Eurex Frankfurt auf die amerikanische Tochter über. Kunden können nach Angaben von Eurex-Vorstandschef Rudolf Ferscha bis zu 95 % ihrer bisherigen Sicherheitsleistungen einsparen und so die Effizienz des im Clearing eingesetzten Kapitals erhöhen.

Mit ihrer günstigen Kostenstruktur wolle die Eurex das Wachstum der US-Finanzbranche beschleunigen, sagte Ferscha in Chicago. Die neue Börse biete am US-Derivatemarkt erstmals gleiche Voraussetzungen für alle Marktteilnehmer. „Alle Kunden werden zu niedrigsten Kosten offenen und gleichberechtigten Zugang zum zuverlässigsten und skalierbarsten Handelssystem der Welt haben“, kündigte Ferscha an.

Entgegen der in den USA gängigen Praxis werde die Eurex US weder Mitgliedsgebühren erheben noch Mitgliedschaften - so genannte Börsensitze - verkaufen. Alle Akteure könnten ohne finanzielle Beteiligung an der Börse handeln. Damit senke Eurex US die Einstiegshürden für die Teilnehmer. Gleichzeitig sollen die Handelsgebühren deutlich unterhalb des bislang in den USA üblichen Niveaus liegen. Konkret heißt das: Die überwiegende Zahl der Geschäfte soll 0,20 $ oder weniger pro Kontrakt kosten. Unabhängig von der Größe sollen bei keinem Geschäft mehr als 0,30 $ pro Kontrakt anfallen. Man wolle wesentliche Elemente des Preismodells für die nächsten fünf Jahre beibehalten. Auf diese Weise könnten die Teilnehmer der neuen Börse mehr als 100 Mill. $ pro Jahr einsparen.

Eurex will die Partnerschaft mit US-Kunden intensivieren. Man wolle zu diesem Zweck den US-Finanzhäusern eine Beteiligung an der neuen Börse anbieten, sagte Ferscha. Für diesen Zweck habe man einen signifikanten Anteil des Kapitals von Eurex US reserviert. Die Derivatebranche solle in der Überwachung und Kontrolle der Börse in hohem Maße repräsentiert sein.

Das Handelssystem von Eurex US werde auf der erfolgreichen Systeminfrastruktur und dem Netzwerk der a/c/e-Plattform basieren, auf die bereits heute mehr als 80 % des Handels mit Derivaten auf US-Kapitalmarktprodukte entfallen. Die Eurex hatte diese elektronische Handelsplattform vor zwei Jahren gemeinsam mit dem Noch-Kooperationspartner Chicago Board of Trade (CBOT) ins Leben gerufen. Das CBOT kündigte diese Kooperation vor einigen Monaten jedoch auf und entschied sich für EuronextLiffe als Technologie-Partner.

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