Welthandelsindex
Energieschub für den globalen Handel

Deutsche Aktien profitieren vom schwachen Euro und niedrigen Ölpreis. Doch geopolitische Störfeuer und Protektionismus könnten den Handel hemmen. Der Welthandelsindex stagniert in dieser Woche auf rund 70 Punkten.
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FrankfurtFür Aktienanleger hätte der Start ins Jahr 2015 kaum besser laufen können. Die extrem lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) treibt die Märkte auf immer neue Höhen. Einige Experten fürchten zwar, dass an den Börsen spätestens dann Ernüchterung einkehren könnte, wenn die Unternehmenszahlen wieder mehr in den Fokus rücken. Doch der Kölner Vermögensverwalter Markus C. Zschaber bleibt optimistisch - und stützt sich dabei auf seine Analysen des globalen Handels.

„Aktuelle Transport- und Logistikdaten sprechen dafür, dass der Welthandel 2015 und 2016 um jeweils 4,6 Prozent zulegen könnte”, sagt er. Das wäre ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahr. Vor allem die USA dürften weiter die weltweiten Warenströme dominieren. Daneben verzeichnen viele Schwellenländer Exportzuwächse bei Waren und Dienstleistungen. „Gefragt werden in diesem Jahr Unternehmen sein, die ein diversifiziertes Produktportfolio mit Absatzschwerpunkten in den USA und Südostasien aufweisen.”

Der Welthandelsindex (www.welthandelsindex.de) stagnierte zuletzt aber bei 70,1 Punkten. Das Barometer, das Zschabers Team regelmäßig für das Handelsblatt errechnet, fasst Daten aus den vier Handelswegen - Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport - zusammen. Indexstände über 50 Punkte deuten einen wachsenden Welthandel an.

„Wichtige Faktoren, die einen noch größeren Zuwachs im Welthandel verhinderten, waren die geopolitischen Störfeuer und der zunehmende Protektionismus einiger Nationen”, sagt Zschaber. Diese könnten den Welthandel 2015 erneut bremsen, was „sich dann auch in den Aktienkursen widerspiegeln dürfte.”

So haben Argentinien, Russland und Indien in den letzten Jahren jeweils mehr als 250 Maßnahmen ergriffen, die den Außenhandel beeinflussten. Das sind fast doppelt so viele wie die USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien. Russland führte als Antwort auf die Sanktionen des Westens mit Abstand die meisten Importverbote ein.

Der indische Aktienmarkt profitierte zuletzt zwar vom Reformkurs des Landes, weshalb viele Experten auf weitere Gewinne setzen: „Wir stehen Investitionen in Indien sehr positiv gegenüber”, heißt es etwa im Ausblick des Fondshauses Edmond de Rothschild Asset Management. Zschaber wendet jedoch ein, dass die zunehmende Abschottung die starke Entwicklung stoppen könnte: „Indien dürfte stark darunter leiden, wenn beispielsweise der Export von Dienstleistungen eingeschränkt wird.”

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