World Wealth Report
Vermögen der Reichen schmilzt zusammen

Die Finanzkrise hat auch vor den wohlhabenden Familien nicht Halt gemacht und die Zahl der Millionäre drastisch verringert. Gleichzeitig wächst der Unmut über die Leistungen der Vermögensverwalter, die die Mittel angelegt haben. Das Vertrauen in ihre Vermögensverwalter ist erschüttert.

FRANKFURT. Die Reichen dieser Welt sind im vergangenen Jahr ärmer geworden. Weltweit zählten 2008 noch 8,6 Millionen Menschen zu der erlesenen Gruppe, die mehr als eine Million Dollar investierbares Vermögen besitzen - 15 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Ihr Reichtum verringerte sich um knapp 20 Prozent auf 32,8 Billionen Dollar, geht aus dem jüngsten World Wealth Report" der Beratungsgesellschaft Capgemini und der US-Investmentbank Merrill Lynch hervor.

Deutschland kam dabei noch relativ glimpflich davon, dank konservativer Anlagen und moderater Entwicklung am Immobilienmarkt fiel die Zahl der Millionäre nur um 2,7 Prozent auf knapp 810 000 zurück. Die Autoren der Studie erwarten bis 2013 allerdings eine rasche Erholung der Finanzvermögen, wobei der asiatisch-pazifische Raum die USA überflügeln dürfte.

Die schwindenden Reichtümer haben zu einem massiven Vertrauensverlust der Anleger in ihre Banken und Vermögensverwalter geführt. Mehr als ein Viertel der Millionäre hat Geld von seiner Bank abgezogen oder den Vermögensverwalter gewechselt, geht aus der Studie hervor. "Viele reiche Familien und wohlhabende Kunden haben einen wesentlichen Teil ihres Vermögens in der Finanzkrise verloren", sagt Kurt von Storch, Gründer der unabhängigen Vermögensverwaltung Flossbach & von Storch. Vor allem sehr liquide Vermögen, die in Aktien, Renten und Zertifikate angelegt waren, hätten gelitten. "Je standardisierter die Beratung ablief, umso höher sind heute die Verluste. Das merken viele Kunden erst jetzt", ergänzt von Storch.

Obwohl die Privatbanken prinzipiell zu den relativen Gewinnern der Krise zählten, seien die Unterschiede zwischen den Banken groß, meint Stefan Kirmße von der Unternehmensberatung ZEB. Einige Banken hätten erheblich in der Wahrnehmung ihrer Beratungsqualität gelitten und in Folge deutliche Rückgänge des verwalteten Kundenvermögens hinnehmen müssen. Andere Berater berichten, dass der Druck der von ihren Vermögensberatern enttäuschten, vermögenden Kunden auf die Preise der Banken steigt.

Der Vermögenserhalt stehe bei den Kunden heute an erster Stelle, sagt Joachim Häger, Leiter Private Wealth Management Deutschland der Deutschen Bank. "Das Vermeiden unnötiger Risiken und ein 'Plus' nach Steuern und Inflation sind wichtiger als die Chance auf eine maximale Rendite, die mit wesentlich höherem Verlustpotenzial einhergehen würde", erklärt Häger.

Laut dem "World Wealth Report" monierten die Kunden vor allem die mangelnde Verfügbarkeit von Produkten, die Höhe und Struktur der Gebühren und die schlechte Kommunikation der Vermögensverwalter. Ein Teil der unzufriedenen Kunden wechselte zu anderen Vermögensverwaltern, andere suchten Häuser mit einem "puristischen Ansatz" im Private Banking, wo der Verkauf eigener Finanzprodukte weniger dominierend ist. Einer der wichtigsten Trends ist dabei ganz einfach: Die Kunden wollten die Produkte wieder verstehen, sagte Martin Butscher von Capgemini.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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