Zurück in die Zukunft
SEC plant Wiedereinführung alter Handelsregeln

In den USA nimmt eine strengere Regulierung der Märkte als Folge der aktuellen Krise langsam konkrete Formen an. Die Börsenaufsicht SEC wird am Mittwoch über die Wiedereinführung von Handelsregeln entscheiden, die aggressive Attacken auf Aktien vor allem von Hedge-Fonds erschweren und die Märkte bändigen sollen.

NEW YORK. „Wir werden uns mit vier Vorschlägen beschäftigen, eine davon ist die Wiedereinführung der Uptick-Rule“, kündigte die neue SEC-Chefin Mary Shapiro an. Diese Regel, die eine Wette auf einen Wertverfall einer Aktie (Leerverkauf) nur dann erlaubt, wenn der Kurs zuvor um einen Tick gestiegen ist, war vor nicht einmal zwei Jahren wegen Zweifeln an der Wirksamkeit abgeschafft worden.

Bei einem sogenannten Leerverkauf veräußert ein Anleger eine Aktie, die er nur geliehen hat, in der Hoffnung sie billiger zurückkaufen zu können. Gelingt dies, ist die Differenz sein Gewinn. Diese Strategie wird vor allem von Hedge-Fonds angewandt.

US-Finanzminister Tim Geithner hatte zuletzt eine Reihe neuer Regulierungsmaßnahmen angekündigt. Die Umsetzung beginnt zunächst mit kleinen Schritten. Beobachter rechnen damit, dass noch weitere Regeln aus der Vergangenheit wieder zu Ehren kommen werden. Dazu gehört auch das nach der Weltwirtschaftskrise eingeführte und 1999 abgeschaffte Gesetz zur Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken. „Auf längere Sicht existiert tatsächlich die Möglichkeit, dass das Pendel bei der Regulierung bis 1934 zurückschlägt“, so Mike Mayo, prominenter New Yorker Bankenkritiker und Analyst beim Broker Cheuvreux.

Seitdem im Krisenherbst 2008 Leerverkäufe für den Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers mit verantwortlich gemacht wurden, wird die Wiedereinführung der Uptick-Rule vor allem von der Politik gefordert. Diese würde das zwischenzeitlich bestehende Verbot von Leerverkäufen bei Finanzwerten ablösen. Die drei großen New Yorker Börsen Nyse, Nasdaq und Bats Trading schlugen daher gemeinsam eine Rückkehr zu einer modifizierten Variante dieser Regel vor. Demnach soll ein Leerverkauf nur erlaubt sein, wenn der Verkaufspreis oberhalb des höchsten verfügbaren Veräußerungsangebots im System (Bid) liegt. SEC-Chefin Shapiro deutet an, dass dieser Vorschlag neben anderen geprüft werde. Im Rennen ist zudem eine sogenannte Volatilitätsunterbrechung, ähnlich einer Regel, wie sie seit langem im Handelssystem der Deutschen Börse implementiert ist.

Einig sind sich Experten, dass alle diese Lösungen den Verfall einer Aktie nicht aufhalten können. „Wenn der Markt glaubt, dass eine Aktie überwertet ist, wird der Prozess dadurch nur langsamer. Aber das ist vermutlich der Mittelweg den die SEC gehen muss, um das sinnvolle Funktionieren der Märkte nicht zu beschädigen“, sagte Adam Sussmann, Unternehmensberater bei der New Yorker Tabb Group.

Einer Tabb-Umfrage unter Marktteilnehmern zufolge glaubt die Mehrheit, dass Bankenaktien von einer solchen Regelung profitieren werden. Negativ dürfte die Wiedereinführung der Uptick-Rule für Hedge-Fonds sein, weil ihre Handelsstrategie dadurch teurer umzusetzen sein wird. Einig ist man sich am Finanzplatz New York, dass dies nur der Beginn einer umfassenderen Regulierung von Leerverkäufen sein wird. „Am Ende dürfte es weitaus weniger attraktiv sein, diese Handelstechnik anzuwenden“, sagte Sussmann.

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