Zurückhaltung fußballverrückter Kleinanleger
Bolzplatz statt Börse

Viele Feste, noch mehr Fußball, aber wenig Finanztransaktionen, das ist das WM-Fazit von Börsen und Direktbanken. Bis zu einem Drittel gingen die Auftragseingänge für Wertpapiergeschäfte bei Comdirect und Co. zurück.

ben/sos FRANKFURT. „Natürlich hat sich die Euphorie um die WM nachteilig auf die Umsätze ausgewirkt“, sagt Peter Barkow, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Unruhig macht ihn das nicht, denn insgesamt bewegten sich die Handelszahlen über Vorjahresniveau.

Vor allem Kleinanleger holten sich den Kick lieber vorm Fernseher als auf den Finanzplattformen. So brachen bei Deutschlands größtem Online-Broker Comdirect die Wertpapieraufträge im Juni um gut 29 Prozent ein, verglichen mit den Zahlen aus dem Mai. Bei dem auf semiprofessionelle Anleger spezialisierten Sino waren es 30 Prozent.

Auch bei Cortal Consors hat man die WM „extrem zu spüren bekommen“. Während in den Arenen die Teams der Equipe Tricolore, der Squadra Azzura, Gauchos, Socceroos und Klinsmänner um Plätze und Punkte kämpften, „war in unseren Callcentern tote Hose“, sagt Dirk Althoff, Sprecher des zweitgrößten deutschen Onlinebrokers. „Aber zu den Halbzeitpausen liefen die Leitungen heiß.“ Insgesamt sei es bis zum WM-Beginn ganz gut gelaufen, „der Einbruch kam in der zweiten Monatshälfte als das Fußballfieber richtig grassierte.“ Minus 22 Prozent lautet die Bilanz im Vergleich zum Vormonat.

„Wir hatten schon beim Eröffnungsspiel kaum Zugriffe auf unsere Webseite, dafür aber Peaks in den Pausen“, sagt Ulrich Ott, Sprecher der Direktbank ING Diba. Auch an der auf Kleinanleger spezialisierten Börse Stuttgart war der Juni der schwächste Monat in diesem Jahr. So lag die Zahl der durchgeführten Transaktionen um rund 16 Prozent niedriger als im Durchschnitt der sechs Monate. Bei den deutschen Börsen fielen die Handelsumsätze im Vergleich zum Mai um insgesamt 18 Prozent.

Einig sind sich die Experten, dass an dem Rückgang nicht nur Tore, Teams und Top-Temperaturen schuld sind. „Die Märkte waren ab Ende Mai sehr volatil“, sagt Carolin Amann, von der DAB. So verlor der Dax zwischen Anfang Mai und Mitte Juni rund 800 Punkte. „Da parken Anleger ihre Assets lieber in sicheren Werten.“ Eine Aufholjagd bei den Börsenumsätzen wird es aber so bald nicht geben. Denn im Juli und August kommt die Sommerflaute.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%