Besitzer von Anleihen fürchten sich vor Fusionen
Panik unbegründet

Das Karussell mit Fusionen und Übernahmen (Mergers and Acquisitions, M&A) dreht sich wieder schneller. Im ersten Quartal dieses Jahres gab es in Europa angekündigte und vollzogene Firmenzusammenschlüsse oder Übernahmen im Wert von gut 190 Mrd. US-Dollar.

FRANKFURT. Damit stieg das Volumen im Vergleich zu den ersten drei Monaten des vergangenen Jahres um 22 Prozent. Weltweit erhöhte sich das Volumen sogar um 79 Prozent auf rund 568 Mrd. Dollar.

Besitzer von Anleihen sehen dies prinzipiell nicht so gern. Denn ihnen droht, auf dem Übernahmekarussell schwindlig zu werden. Wenn es eines gibt, was den festverzinslichen Wertpapieren von Unternehmen nicht gut tut, dann ist es Unsicherheit. Und gerade die entsteht durch Fusionen und Übernahmen. Das gilt vor allem dann, wenn die Deals höhere Schulden finanziert werden. Denn das kann die Kreditwürdigkeit von Unternehmen verringern.

Doch Grund zur Panik besteht noch nicht. Denn es ist davon auszugehen, dass die Unternehmen aus ihren Fehlern gelernt haben. Um das Jahr 2000 herum galt es als chic, durch fremdfinanzierte Übernahmen zu wachsen. So zahlte zum Beispiel die Deutsche Telekom rund 55 Mrd. Dollar für den US-Mobilfunkanbieter Voicestream. France Télécom ließ sich die Übernahme von Orange 43 Mrd. Dollar kosten. Mit den Folgen kämpften die Unternehmen noch lange: Die Ratingagenturen stuften die Bonitätsnoten drastisch herunter und das Vertrauen der Investoren schwand.

Viele Unternehmen – unter anderem aus der Telekombranche – setzen deshalb seit zwei, drei Jahren auf Schuldenabbau. Dies hat sich in wieder besseren Ratings bemerkbar gemacht. Dass die Unternehmen diese jetzt wieder aufs Spiel setzen, ist unwahrscheinlich. So meint Banc of America Securities, dass Telekomunternehmen Fusionen und Übernahmen voraussichtlich durch freie Mittel und nicht durch neue Schulden finanzieren werden.

Außerdem schauen die Unternehmen genauer auf den Preis. So hat sich die britische Vodafone aus dem Bietergefecht um AT&T Wireless zurückgezogen, und die Deutsche Telekom brach wegen eines zu hohen Preises zunächst Gespräche mit dem polnischen Mobilfunkanbieter PTC ab.

Wenig Rendite und geringe Risikoaufschläge

Als wahrscheinlichste Kandidaten für Übernahmen gelten derzeit die niederländische KPN, die sich für den britischen Mobilfunkanbieter MMO2 interessiert und die dänische TDC, die ankündigte „wieder ein Wachstumsunternehmen“ zu werden. Die Bonität dieser Unternehmen würde durch M&A-Aktivitäten indes nicht gefährdet, meinen die Kreditanalysten von ABN Amro. Aber die Stimmung am Bondmarkt könnten sie schon belasten.

Das liegt auch daran, dass sich Unternehmensbonds in den vergangenen anderthalb Jahren extrem gut entwickelt haben. Deshalb bieten sie nur noch wenig Rendite und geringe Risikoaufschläge gegenüber Staatsanleihen. Schon allein deshalb gibt es Sorgen, dass die Stimmung kippen könnte. In dieser Situation ist der Markt generell anfällig für Spekulationen und negative Nachrichten.

Bislang hat der Markt für Unternehmensanleihen die Debatte aber noch ganz gut verkraftet. So litten die Anleihen der spanischen Telefónica nur etwas unter der knapp sechs Mrd. Dollar schweren Übernahme der Lateinamerika-Aktivitäten von Bell South. Auch die Kurse der Anleihen von MMO2, KPN und TDC gaben etwas nach. Insgesamt entwickelten sich Telekomanleihen aber gut. Dabei sind Telekombonds – neben den Anleihen von Autokonzernen – das bedeutendste Segment am europäischen Bondmarkt.

Abseits der Telekomanleihen gerieten die Bonds des Pharmakonzerns Aventis nach dem feindlichen Übernahmeangebot über knapp 69 Mrd. Dollar durch Sanofi-Synthélabo unter Druck. Sie haben sich aber schon wieder erholt. Sanofi-Synthélabo hat keine Bonds.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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