Börsenindex Ibex
Spanische Favoriten

Die 28 Unternehmen des spanischen Börsenindexes Ibex sind hoch verschuldet. 237 Mrd. Euro an Krediten - ziemlich genau das Doppelte der 30 Dax-Unternehmen und insgesamt mehr als andere Firmen in Europa. Während die Unternehmen in den Nachbarländern die wirtschaftlich guten letzten Jahre dazu genutzt haben, ihre Schulden abzubauen, haben die Spanier hohe Dividenden gezahlt und sich in kostenträchtigen Übernahmen aufgerieben.

MADRID. Das hat zwar die Konsolidierung in verschiedenen Sektoren auf dem spanischen Markt und die Internationalisierung der Unternehmen stark vorangebracht. Im Zuge der internationalen Finanzkrise und Kreditverknappung führt der beachtliche Schuldenberg aber dazu, dass die Investoren spanische Standardaktien besonders misstrauisch beäugen.

Doch es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Zunächst einmal gibt es vier Unternehmen im Index, die schuldenfrei sind, darunter die spanische Börsenholding Bolsas y Mercados Españoles (BME), die als potenzieller Übernahmekandidat im Zuge der europäischen Börsenkonsolidierung gilt und bei deren Aktienkurs etwa die Analysten von Citi noch erhebliches Potential sehen. Zu den Schuldenfreien im Ibex gehört auch der Textilgigant Inditex, bekannt durch seine Hauptmarke Zara, die wiederum Citi aufgrund seines starken Umsatzwachstums und seiner guten geographischen Diversifizierung zum Kauf empfiehlt.

Gefährlich ist die hohe Verschuldung vor allem bei Unternehmen, die keinen großen Cash-Flow haben oder eine Entwertung ihrer Vermögenswerte befürchten müssen. Das betrifft derzeit vor allem die Immobilienwerte. Empfehlenswert sind dagegen vor allem Unternehmen, die einen hohen Cash-Flow haben und zudem eine langfristige Finanzierungsstrategie vorweisen können. Dazu gehört zum Beispiel Telefonica, deren Aktienkurs sich in den letzten, turbulenten Wochen äußerst stabil zeigte und nach Meinung von Credit Suisse First Boston auch noch Potenzial nach oben hat.

Interessant sind auch Aktien von Versorgern, die einen großen Anteil an erneuerbaren Energien aufweisen. Zwar dürfte die Übernahmewelle der letzten Jahre angesichts der aktuellen Finanzierungsschwierigkeiten wohl erst einmal zu Ende sein. Dennoch halten viele Analysten die Aktien einiger Unternehmen des Sektors derzeit für unterbewertet. Dazu gehört Iberdrola, die im Dezember ihrer erneuerbare Energiesparte an die Börse bringen wird und gerade ein Aktiensplitting verkündet hat. Der Börsengang von Iberdrola Renewables wird auch in anderen Unternehmen die Bewertung der Aktivitäten in erneuerbaren Energien stützen. So geschehen beim Mischkonzern Acciona, der wegen seines immer stärkeren Schwerpunkts im Energiesektor und des schwindenden Immobiliensektor-Anteils ebenfalls zu den Favoriten der Analysten zählt.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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