Bulle & Bär
„A bisserl was geht immer“

Gefühlte zehn von zehn Aktienstrategen vertreten derzeit die Meinung, dass die Börsen das Schlimmste überstanden haben. Die ersten Hoffnungsschimmer müsse man ernst nehmen, heißt es; Rückschläge seien dennoch möglich. Zusammengefasst lässt sich daraus schließen: Der Pessimismus ist nicht mehr ganz so groß wie noch im Winter, aber von Optimismus sind wir noch weit entfernt.

FRANKFURT. Die rund 40 Prozent, die der Dax seit dem Tief Anfang März zugelegt hat, gingen demnach an denjenigen vorbei, die den Empfehlungen gefolgt sind. Rückblickend stellt sich wieder einmal die Frage, warum damals nirgendwo zu lesen war: "An alle, die noch nicht ganz der Mut verlassen hat, die Ansage: Jetzt geht was." Vermutlich hätte man es etwas seriöser formuliert, was der Aussage an sich keinen Abbruch getan hätte. Anzeichen dafür waren damals zwar nicht allzu viele vorhanden, dennoch gab es sie.

Umso verwunderlicher ist es, dass viele nach den kräftigen Gewinnen der vergangenen Wochen noch immer zögern. Hintergrund ist eine Erscheinung, die schon zur Jahrtausendwende zu beobachten war: Wer vor Krisen, Kurseinbrüchen und sonstigen Katastrophen warnt, heimst unendlichen Ruhm ein, sollte die Katastrophe tatsächlich kommen. Wer dagegen zu viel Optimismus verbreitet und die Kursprognosen für den Dax deutlich anhebt, läuft Gefahr, in eine Ecke mit Fantasten oder ähnlich weltfremdem Volk gestellt zu werden. Die meisten halten sich deshalb zurück - erst recht nach den schlechten Erfahrungen des vergangenen Jahres.

Bleibt die Frage, wer in den vergangenen drei Monaten richtig Geld verdient hat? Es sind diejenigen, die die extrem schlechte Stimmung als Indikator für einen Wendepunkt am Aktienmarkt gedeutet haben. Und die in der beispiellosen Talfahrt der Konjunktur im ersten Quartal eine schmerzliche Phase gesehen haben, die durch ihre Radikalität anschließend gute Chancen zur Besserung bietet.

Deswegen sollten allmählich auch die Aktienstrategen etwas mehr Mut zeigen, frei nach dem Motto des legendären Monaco-Franze: "A bisserl was geht immer." Auch wenn sie es vermutlich anders formulieren würden.

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