Bulle & Bär
Aktienanleihen: Nicht Fleisch, nicht Fisch

Theoretisch schlagen Aktienanleihen meist die Direktanlage. Das geht aus einer Statistik des Newsletters „Zertifikate-Anleger“ hervor, die derzeit kursiert. Die Statistik verschweigt jedoch, dass Anleger in der Praxis in den vergangenen zwölf Monaten viel besser gefahren sind, wenn sie direkt Aktien statt Aktienanleihen gekauft haben. Das liegt an den in diesem Zeitraum gestiegenen Aktienkursen und daran, dass Aktienanleihen nicht Fleisch und nicht Fisch sind.

FRANKFURT. Beim Kauf einer Aktienanleihe wissen die Anleger nicht, ob sie am Ende der meist kurzen Laufzeit ihr Kapital in bar oder in Aktien zurückbekommen. Bei der Emission der Aktienanleihe setzten die Emittenten fest, wie viele Aktien eines Unternehmens es für eine Anleihe im Nennwert von zum Beispiel 1 000 Euro gibt. Außerdem wird bei der Platzierung ein Basispreis der zu Grunde liegenden Aktie genannt, nach dem sich am Fälligkeitstag die Art der Rückzahlung richtet.

Die Emittenten wählen die Rückzahlung in bar, wenn der Kurs der Aktie über den vorher festgelegten Basispreis der Aktie steigt. Anleger partizipieren also nicht von einer positiven Entwicklung des Basiswertes. Sie bekommen lediglich die Zinsen auf ihr Investment und den Nennwert zu 100 Prozent zurück.

Umgekehrt bekommen Anleger ihr Geld in Aktien ausgezahlt, wenn der Kurs der zu Grunde liegenden Aktie unter den Basispreis fällt. Die Banken, die Aktienanleihen ausgeben, können sich auf diese Weise von schlecht laufenden Aktien aus ihren Beständen trennen.

In diesen für Anleger im Prinzip unattraktiven Mechanismus werden die Investoren durch die hohen Zinskupons der Aktienanleihen gelockt. Aktienanleihen auf klassische Blue-Chips wie zum Beispiel Daimler-Chrysler oder BASF bieten für eine Laufzeit von einem Jahr hohe Kupons von zehn Prozent.

Die Kupons bieten immerhin einen gewissen Puffer bei Verlusten der zu Grunde liegenden Aktie. Deshalb stehen sich Anleger mit dem Kauf einer Aktienanleihe bei Verlusten besser als mit dem Direktkauf. Bei hohen Verlusten fällt dies unter dem Strich allerdings nur wenig ins Gewicht. Außerdem geben Anleger die Entscheidung aus der Hand, wann sie die Aktien kaufen, denn sie bekommen die Papiere dann geliefert, wenn die Aktienanleihe fällig ist.

Somit sind Aktienanleihen eine Wette auf die Kursentwicklung. Nur wenn man davon ausgeht, dass der Kurs einer Aktie lediglich leicht steigt oder nur so wenig fällt, dass er noch über dem Basispreis liegt, ist der Kauf einer Aktienanleihe wirklich attraktiv. Dabei gilt prinzipiell, dass der Kupon um so höher ist, je deutlicher der Basispreis über dem aktuellen Kurs notiert.

Gut ist immerhin, dass Anleger eine große Auswahl haben. So werden allein an Börse Stuttgart rund 4 300 Aktienanleihen gehandelt, davon entfallen über 140 auf die Deutsche Telekom.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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