Bulle & Bär
Aktienmärkte: Club der Optimisten

Die schlechten Zeiten sind auch nicht mehr das, was sie früher einmal waren. Börsen schulterten die Last von Rezessionen früher leichter, weil sie darauf bauten, dass Krisen a) per Definition einmal zu Ende gehen und sie b) der Wendepunkt zum Besseren sind. Dieser Glaube fehlt heute. Niedergeschlagenheit und Pessimismus sind die wichtigsten Elemente des aktuellen Stimmungsbildes.

FRANKFURT. So könnte man meinen, das Ende der Welt stehe bevor. Auguren schüren den Pessimismus mit sich übertreffenden düsteren Prognosen. Einige wählen für die Beschreibung der desolaten Situation der Börsen und der Weltwirtschaft den Begriff der Agonie. Mit dieser Metapher beschreiben sie nicht nur die Endphase der historischen Epoche einer ungehemmten und unkontrollierten Nutzung des globalen Kredit-Instrumentariums, sondern auch die offensichtliche Handlungsunfähigkeit der Akteure in der Weltwirtschaft. Dort, wo sich Unternehmer früher berufen sahen, etwas zu unternehmen, wo Banken und Anleger bereit waren, Risiken zu tragen, um am künftigen Wohlstand zu teilzuhaben, erstarrt die Welt heute in Mut- und Tatenlosigkeit.

Optimisten sehen schlechte Zeiten oft als gute Zeiten. Obwohl es schwer fällt, den kreischenden Lärm der Krise zu ignorieren, ist dies die beste Zeit für klares, vorwärts gerichtetes Denken. Was das Getöse der Krise auslöst, sind verheerende Nachwehen der gemachten Fehler. Kaum jemand ist bereit, den Lärm zu überhören, die Situation mit kühlem Kopf zu analysieren und eine in die Zukunft gerichtete Strategie zu entwickeln. Courage statt Trübsal, Optimismus statt Pessimismus sind heute gefragt. Dass Notenbanken die Märkte mit Liquidität überfluten würden, war seit Monaten absehbar, dass Unternehmen zum „Allheilmittel“ Massenentlassungen greifen würden, überrascht ebenfalls nicht.

An der Aktienbörse ist all dies in den Kursen eingepreist. Der monetäre Stimulus der Notenbanken und gigantische Hilfspakete der Regierungen sind die Basis für ein Quantum Optimismus. Zugegeben, es ist verdammt schwer, Mitglieder für den neu gegründeten „Club der Optimisten“ zu finden. Wenige glauben an die These, dass der richtige Zeitpunkt für Gier dann gekommen ist, wenn sich die Anleger ängstlich wie Hasen im Bau verkriechen. Nur wenige Experten schlagen sich daher auf die Seite visionärer und couragierter Denker.

Zu diesen zählen unter anderem die Wall-Street-Größen Warren Buffet oder Laszlo Birinyi. Aber auch andere werden aktiv: „Stell' mir bitte einen Mitgliedsausweis aus – ich bin dabei“, sagen Hans-Jürgen Klisch von Raymond James & Associates und Max Santos von Oppenheimer & Co. Dass der Club der Optimisten wegen der geringen Mitgliederzahl nicht wirklich Eigendynamik entwickelt, ist ein positives Zeichen. Je weniger Optimisten es gibt und je weniger Geld bereits in Aktien investiert ist, umso größer ist das Aufwärtspotenzial für die kommenden Jahre.

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