Bulle & Bär
Amitelo: Neuer Aufreger im Entry Standard

Erst Neosino, dann Eutex und jetzt Amitelo: Die Liste der Unternehmen, die im regulatorischen Schmalspursegment der Deutschen Börse, dem Entry Standard, mit Skandalen und Skandälchen für Aufsehen sorgen, ist mit der Schweizer Holding für Telekom-Beteiligungen um einen Namen länger.

FRANKFURT. Nachdem das ZDF-Magazin „Frontal 21“ in der vergangenen Woche über unbesetzte Büros, eine chaotisch anmutende Lagerhaltung und überforderte Mitarbeiter berichtet hatte, fiel der Kurs der Amitelo-Aktie zeitweise bis auf 39 Cent. Gestern sollte es nun zum großen Befreiungsschlag kommen. Auf einer eilends angesetzten Informationsveranstaltung wurde die Firma – wie sollte es anders sein – in bestem Licht dargestellt. Amitelo sei eine Erfolgsstory und werde auch eine Erfolgsstory bleiben, verkündete Vorstandschef Akid Khaled vollmundig. Dazu liefen Bilder und Filmchen von besetzten Büros und glücklichen Mitarbeitern. Eine Referenz des marokkanischen Premierministers soll es inzwischen ebenso geben wie die Auszeichnung, zu den zehn innovativsten Unternehmen im Senegal zu gehören. Am Ende des Tages hatte die Börse ihr Urteil gefällt: Die Aktie verlor 20 Prozent.

Wer sich für Unternehmen im Entry Standard interessiert, der darf sich abenteuerlicher Storys gewiss sein. Das war bereits bei seiner Gründung im Herbst 2005 der Tenor. Unvergessen ist beispielsweise das Produkt des Nano-Spezialisten Neosino, das angeblich von der Sportmedizin bis zum Straßenbau und der Landwirtschaft anwendbar sein soll. Letztes Jahr hatte das ARD-Magazin „Panorama“ Wirksamkeit und Methode stark in Frage gestellt. Lange haben die Gelehrten darüber gestritten, inzwischen ist es ruhig um das Unternehmen geworden. Doch die Aktie notiert noch immer gut 60 Prozent über ihrem Ausgabepreis. Wer recht hat, ist inzwischen längst egal.

Ähnlich könnte es Amitelo ergehen, wenn nach einiger Zeit Gras über die Sache gewachsen sein sollte. Denn egal, ob Neosino oder Amitelo, medientechnisch interessant sind diese wie viele andere Unternehmen des Entry Standard nur, wenn sie verdächtig sind, Anleger zu täuschen. Deswegen war auch die Insolvenz der Erkrather Telekom-Gesellschaft Eutex, die bisher einzige Pleite im Entry Standard, kein großer Aufreger. Das Geschäftsmodell, unter anderem Telefongespräche nach Osteuropa minutenweise verkaufen, ging eben nicht auf.

Wer trotz dieser wenigen Aufreger den Entry Standard mit dem Neuen Markt vergleicht oder gar nach einer Art Börsen-TÜV für junge Unternehmen ruft, dokumentiert, dass er nichts verstanden hat. Am Neuen Markt haben auch die damals strengsten Börsenregeln der Welt nicht vor Betrug geschützt. Deshalb setzte die Börse bei Einführung des Entry Standard bewusst auf wenige Regeln. Stattdessen mahnte sie stets, dass diese Aktien nicht für Kleinanleger geeignet seien. Nur – gehört haben will es in Fällen wie bei Neosino, Eutex oder Amitelo keiner.

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