Bulle & Bär
Angolagold Ashanti: Frischer Wind

Selten hat in so kurzer Zeit so viel frischer Wind durch ein südafrikanisches Goldminenhaus geweht wie jetzt bei Anglogold Ashanti, dem weltweit drittgrößten Förderer des gelben Metalls. Seit dem der Australier Mark Cutifani dort im vergangenen Jahr die Zügel übernommen hat, beweist dieser Mut.

KAPSTADT. Kaum hatte der Australier Mark Cutifani dort Ende letzten Jahres die Zügel übernommen, schickte er 60 Manager aus dem Johannesburger Hauptsitz in die Minen des Unternehmens, um diese künftig von vor Ort und vor allem effizienter zu managen.

Mut bewies der 50-Jährige auch vor acht Wochen: Inmitten einer schweren Stromkrise, die Anglogolds Produktion um 200 000 Unzen senkte, und ständig steigenden Produktionskosten entschloss sich Cutifani zu einem seit langem überfälligen Befreiungsschlag: dem drastischen Zurückfahren der Terminverkäufe, die Anglogold und dessen Aktienkurs seit langem Fesseln anlegen. Der Grund: Bislang verkauft der Goldförderer einen großen Teil seiner Produktion im Voraus zu einem festen Preis, um sich damit gegen Schwankungen des Goldpreises abzusichern. Allerdings liegen diese Terminverkäufe beträchtlich unter dem gegenwärtigen Goldpreis von rund 925 Dollar pro Unze - ein Relikt aus der Zeit um das Jahr 2000, als Gold mit 300 Dollar noch viel billiger war und sich viele Unternehmen mit Vorausverkäufen gegen einen weiteren Verfall des gelben Metalls absicherten. Seit 2003 ist der Goldpreis jedoch stetig gestiegen und dabei im März sogar kurzzeitig über die Schwelle von 1 000 Dollar pro Unze geschnellt.

Dieser Anstieg kommt nun jenen Förderern zugute, die wie Anglogolds Rivalen Gold Fields und Harmony kein Gold auf Termin verkaufen und somit ganz unmittelbar von dem höheren Preis profitieren. Im Gegensatz dazu sitzt Anglogold noch immer auf seinen vielen alten Kontrakten zu einem weit niedrigeren Goldpreis. Daneben leidet der Konzern unter den stark gestiegenen Produktionskosten. Kein Wunder, dass Anglogold im letzten Geschäftsjahr einen Verlust von fast 700 Millionen Dollar verbuchte.

Aber auch das Wagnis, die Börse anzuzapfen, hat sich für Cutifani gelohnt. Aktienemissionen sind ein zweischneidiges Schwert, weil sie den Gewinn verwässern. Doch die Nachfrage war weit größer als das Angebot und bringt Anglogold 1,7 Milliarden Dollar ein - ein eindrucksvoller Vertrauensbeweis für den neuen Boss und seine Strategie. Gleichzeitig ist das große Interesse der Anleger ein Indiz dafür, dass viele angesichts der Marktturbulenzen mit einem weiter steigenden Goldpreis rechnen.

Selbst wenn die angestrebte Effizienzsteigerung noch etwas dauern und der Kostendruck auf die sieben südafrikanischen Minen des Konzerns anhalten sollte, dürfte die Rückkehr in die Gewinnzone und zu höheren Dividenden nur noch eine Frage der Zeit sein - trotz drohender neuer Stromengpässe am Kap. Hier dürfte Anglogold zugute kommen, dass der Konzern in den letzten vier Jahren fast 20 Prozent Strom eingespart hat. Verständlich, dass Cutifani auch dieses Hindernis für überwindbar hält.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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