BULLE & BÄR
Anleger sollten Leerverkäufe nicht fördern

Damit Investoren Leerverkäufe tätigen können, müssen sie sich die Wertpapiere von jemandem leihen. Wer nicht will, dass mit seinen Papiere der Kurs nach unten gedrückt wird, sollte der Wertpapierleihe widersprechen.
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FrankfurtDie jüngste Talfahrt an den Aktienmärkten und ganz besonders der Crash der Aktie der französischen Großbank Société Générale in der vergangenen Woche hat die Debatte um die Macht der Spekulanten an den Börsen wieder angeheizt. Während die Politik darüber diskutiert, ob der Handel mit geliehenen Wertpapieren - sogenannte Leerverkäufe - verboten werden sollte, können Privatanleger selbst aktiv werden und die Spekulation nicht mehr unterstützen, indem sie ihre eigenen Wertpapiere nicht mehr verleihen.

Es gibt zwei Arten von Leerverkäufen: gedeckte und ungedeckte. Beide Varianten eignen sich dazu, auf fallende Kurse zu wetten. Bei gedeckten Leerverkäufen borgt sich ein Investor Wertpapiere von jemand anderem und zahlt dafür eine Leihgebühr. Diese geborgten Papiere verkauft er dann am Markt und streicht dafür das Geld ein. Bis zum Ablauf der Leihzeit muss er die Papiere wieder zurückkaufen. Sind die Kurse inzwischen gefallen, kostet ihn das weniger, er macht Gewinn. Gerade wenn viele Investoren sich auf ein Wertpapier eingeschossen haben, können sie durch ihre zeitgleichen Verkäufe den Kurs nach unten drücken.

Bei ungedeckten Leerverkäufen kann dieser Effekt sogar noch verstärkt auftreten. Hier verkauft der Investor Wertpapiere, die er sich zum Zeitpunkt des Verkaufs noch gar nicht geborgt hat. Möglich wird das dadurch, dass die Scheine je nach Börsenplatz erst innerhalb von zwei bis fünf Tagen effektiv auf den Käufer übertragen werden müssen. Das heißt, diese Tage hat der Investor Zeit, sich die Papiere zu borgen. Und spätestens die letzten zwei Wochen haben gezeigt, was Tage an der Börse ausmachen können. Das Problem: In der ungedeckten Form können die Verkäufe fast beliebige Volumina erreichen und entsprechend stark den Kurs schwächen.

Privatanleger müssen Wertpapierleihe zustimmen

Besonders die ungedeckten Leerverkäufe haben Politiker daher als Kern des Übels identifiziert. Doch mit einer einheitlichen Regulierung tun sie sich noch schwer. Privatanleger können aber auch selbst aktiv werden: Jeder, der ein Depot besitzt, hat bei Eröffnung einen Wertpapierdarlehensvertrag („Securities Lending“) vorgelegt bekommen und ihm womöglich zugestimmt. Diese Zustimmung lässt sich schriftlich jederzeit ändern. Komplizierter wird es bei Fondsgesellschaften. Bei vielen gehört es zum Geschäftsmodell, dass sie Papiere aus dem Fondsvermögen verleihen, um durch die Gebühren ihre Performance aufzubessern. Anlegern bleibt hier nur der Wechsel der Fondsgesellschaft. Völlig eindämmen lässt sich das Geschäft nicht. Auch Banken und Versicherer verleihen ihre Bestände. Ein Zeichen setzen können wir trotzdem.

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