Bulle & Bär
Börse: Kampf um kluge Köpfe

Man kann sie nicht zählen: Die rund um die Welt jagenden Nachrichten. Sie bewegen Kurse und Preise an den Finanzmärkten. Es wäre ein aussichtsloses Unterfangen, alles das aufzählen zu wollen, was für Bewegung sorgt.

FRANKFURT. Dazu gehören volkswirtschaftliche Daten wie Wachstum, Inflation, Staatsausgaben ebenso wie auf Unternehmensseite Bilanzen, Ausblicke, wichtige Branchenveränderungen, neue Analysteneinschätzungen. Schließlich bringen die Investoren einen gehörigen Schuss Psychologie an die Börse. Im Extremfall drängen Emotionen wie Angst und Gier alle fundamentalen Überlegungen in den Hintergrund.

Aber wie bewegen alle diese Nachrichten und Emotionen die Kurse? Dem Normalanleger erschließen sich die Zusammenhänge kaum. Sogar die meisten Profis - und alle die sich dafür halten - sind überfordert. Es fehlt häufig an Talent, Erfahrung, Wertungsfähigkeit bei der Analyse. Das gilt erst recht für die darauf aufbauenden Prognosen. Schließlich ist nur mit den Entwicklungen von Morgen Geld zu verdienen, nicht mit den Trends von gestern.

Die Wissensgesellschaft macht alles noch komplizierter. Vorausschau war bereits im gemächlichen Print-Zeitalter ein schwieriges Geschäft. Aber in der Online-Welt mit ihrer Explosion an verfügbaren Informationen und sofortiger Verbreitung von Nachrichten rund um den Globus scheint das Problem ins Unendliche zu wachsen.

Wer will noch die wichtigen von den unwichtigen Nachrichten unterscheiden? Ein typischer Privatanleger ist hier völlig aus dem Rennen. Wenn er schlau ist, hat er einen guten Berater gefunden, der das für ihn erledigt - auch wenn die "Guten" ihres Fachs ausgesprochen rar sind. Vielleicht hat der Anleger in seltenen Fällen auch über lange Jahre smarte Analysten und Geldverwalter identifiziert, deren Einschätzungen er in Eigenregie im Depot umsetzt. Bei viel Geschick hat die "Do-it-yourself"-Variante ebenfalls eine Erfolgschance.

So ist das Ringen um Rendite ein Kampf um die intelligente und wertvolle Information. Viele werden gar nicht realisieren, dass dieser Kampf überhaupt statt findet. Der Kampf um die Information ist aber auch ein Kampf um Börsenintelligenz, um die begrenzte Zahl intelligenter Köpfe, die smarten Hirne.

Diese "Eggheads" machen sich Gedanken über die Kreditkrise. Von der heute erwarteten weiteren Zinslockerung der amerikanischen Notenbank versprechen sie sich aber weit weniger Erleichterung als die Mehrheit der Beobachter. Vor allem erwarten sie keine zügige Rückkehr zur paradiesischen Aktienhausse der vergangenen Jahre. Dazu sitzen die Probleme zu tief. Für Anleger ist Vorsicht oberstes Gebot. Sie sollten sich nicht in die Irre führen lassen, wenn viele Banker und Verwalter - meist Berufsoptimisten - in ihren Ausblicken Appetit auf 2008 machen. Die Zeit für breit angelegte Aktienengagements ist erst einmal vorbei.

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