Bulle & Bär
Börsen mit begrenztem Potenzial

Seit der Beinahe-Pleite der US-Investmentbank Bear Stearns hat der Dax 1 000 Punkte gewonnen. Nach dem April zählt bislang auch der Mai zu den besten Börsenmonaten seit fünf Jahren. Ist der rasante Anstieg angesichts weiteren Abschreibungsbedarfs der Banken und unsicherer Konjunkturaussichten gerechtfertigt?

DÜSSELDORF. Durchaus. Zumindest mit Blick auf 2008. Denn erstens war der Dax vor seiner Rally um fast 2 000 Punkte gefallen. Gegenüber dem Jahresbeginn notiert die Börse immer noch im Minus. Zweitens rechtfertigen die Unternehmen die Erholung. Die Konzerne schlagen sich besser als im Spätwinter befürchtet.

In Europa und den USA übertreffen die Firmen - abseits der gebeutelten Banken - die Erwartungen der Analysten. Diese haben zwar zuvor ihre Gewinnprognosen drastisch herabgesetzt. Doch unter dem Strich steigern die Unternehmen im amerikanischen S&P-500-Index im ersten Quartal ihre Nettogewinne um zehn Prozent gegenüber dem starken Vorjahresquartal. In Europa legen die Konzerne halb so stark zu. Hier leiden viele Unternehmen unter Wettbewerbsnachteilen auf Grund des starken Euros. Dies verhilft exportorientierten US-Konzernen zu unerwarteten Gewinnsprüngen. Doch immerhin präsentieren sich auch Europas Firmen robuster als gedacht.

Rechtfertigen sich damit weitere Kursgewinne? Erfahrungsgemäß blicken Anleger im Laufe des zweiten Quartals bereits auf das folgende Jahr. Mit Blick auf 2009 erscheinen die Gewinnerwartungen ambitioniert. Bezogen auf den Dax rechnen Analysten mit einem Gewinnplus von 15 Prozent. Und das bei einem prognostizierten Wirtschaftswachstum von gut einem Prozent. In den USA sollen die 500 größten börsennotierten Firmen sogar fast 20 Prozent mehr verdienen als in diesem Jahr - wobei für 2008 bereits ein Plus von zehn Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2007 unterstellt wird. Abgesehen vom Energiesektor prophezeien Analysten für alle Branchen zweistellige Zuwachsraten. Für Finanzdienstleister erwarten die Experten gar ein Plus von 50 Prozent. Dahinter steckt die Annahme, dass die Krise endet und die Banken dank niedriger Ausgangsbasis richtig durchstarten.

Unterstellt man aber, dass die Firmengewinne in diesem und im nächsten Jahr auf ihrem 2007er Rekordniveau stagnieren, erschöpft sich das Potenzial an der Börse schnell. Zumindest mit Blick auf die Bewertung. Für den Dax errechnet sich auf solch reduzierter Erwartung ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,5, für den S&P 500 von 17. Ersteres liegt gut zehn Prozent unter dem historischen Durchschnitt, letzteres mehr als zehn Prozent darüber.

Unter Bewertungsaspekten sind demnach deutsche Aktien moderat bis attraktiv, US-Aktien sehr ambitioniert bewertet. Vor dem Hintergrund, dass die US-Börse den Takt vorgibt, erscheint ein Auf und Ab der Kurse deshalb realistischer, als dass die Börse weiter so durchstartet wie in den vergangenen Wochen.

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