Bulle & Bär
Börsenrally : Viel Geld schlummert noch

Conti 600 Prozent, MAN 450 Prozent und Commerzbank 400 Prozent. Das ist die Bilanz der Top-Performer im Dax seit Beginn der Börsenrally im März 2003 bis heute. Auf solch beeindruckende Werte kamen nicht einmal die drei Stärksten in einem gleich langen Zeitraum auf dem Höhepunkt der Technologie-Euphorie Ende der 90er-Jahre.

DÜSSELDORF. Das war zweifellos eine Übertreibungsphase par excellence. Heißt das, wir werden gerade wieder Opfer einer Kursblase? Keineswegs, denn Zahlen allein beweisen nichts.

SAP, Telekom und Siemens trugen mit Kurszuwächsen von 400, 500 Prozent in dreieinhalb Jahren maßgeblich zum Anstieg des Deutschen Aktienindexes (Dax) auf über 8 000 Punkte im März 2000 bei. Auch Banken und Versicherer gewannen extrem. Sie profitierten von den glänzenden Geschäften an der Börse und den gegenseitigen Aktienverflechtungen. Adidas und Linde mussten hingegen Einbußen hinnehmen.

Blickt man heute auf die letzten dreieinhalb Jahre zurück, dann gewinnen eben jene klassischen (Industrie-) Unternehmen. Auffällig ist zudem, dass es gar keine Verlierer gibt. Selbst der Schwächste, die T-Aktie, legt immerhin um 40 Prozent zu. Trugen also bis zum Jahr 2000 Technologie- und Finanzdienstleister weitgehend allein den Börsenaufschwung, so steht die Rally diesmal auf einer breiten Basis. Nicht der Fokus vieler Anleger auf wenige Hype-Branchen treibt die Börse. Vielmehr sind harte Fakten verantwortlich. Unternehmen, die ihre Nettogewinne in den vergangenen Jahren überproportional steigern, also Conti, MAN, Thyssen-Krupp und RWE, haben die beste Aktienperformance. Umgekehrt bleiben jene Titel zurück, deren Konzerne nichts (Infineon) oder weniger als erwartet verdienen (viele Technologie-Aktien) oder aber unter sinkenden Margen und Preisverfall (Telekom) leiden.

Und noch etwas unterscheidet 2006 kolossal von 2000: Heute präsentieren sich die meisten Unternehmen in ihren Ausblicken gedämpft, allenfalls vorsichtig optimistisch, obwohl die Firmen gerade vor ihrem dritten Rekordjahr in Folge stehen. Ebenso geht es den meisten Analysten der Investmentbanken und Anlegern. Auch sie bleiben vorsichtig. Sie halten nach wie vor viel Kapital von der Börse fern, weil sie dem neuerlichen Kursaufschwung nach der geplatzten Technologieblase nicht trauen. Das Geld schlummert in relativ sicheren Staatsanleihen solider Schuldner und vor allem am Geldmarkt. Das zeigen die Zuflüsse in diese konservativen Anlageklassen.

Erst wenn Anleger mutiger werden und ihr (gesamtes) geparktes Kapital an den Börsen einsetzen und damit auf weitere Kursgewinne spekulieren, droht Gefahr. Dann beginnt das nächste Kapitel in dem nun schon dreieinhalb Jahre währenden Börsenaufschwung. Es wird sich damit befassen, wann der Strom mit frischem Geld für die Börse versiegt – und damit die Rally endet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%