Bulle & Bär
China kurbelt den Konsum an

Auf den ersten Blick spricht alles dagegen, Konsumaktien zu kaufen. Die Verbraucher haben wenig Geld im Portemonnaie; und das wenige halten sie lieber zusammen. Doch das ist gar nicht das Entscheidende. Tatsächlich sind die Aussichten für Hersteller und Händler von Konsumgütern gar nicht schlecht, für einige sogar sehr gut.

Auf den ersten Blick spricht alles dagegen, Konsumaktien zu kaufen. Die Verbraucher haben wenig Geld im Portemonnaie; und das wenige halten sie lieber zusammen. Wenn überhaupt, dann kommt die Konjunktur nur langsam in Fahrt. Ein flaues Weihnachtsgeschäft droht. Doch das ist gar nicht das Entscheidende. Tatsächlich sind die Aussichten für Hersteller und Händler von Konsumgütern gar nicht schlecht, für einige sogar sehr gut.

Wir neigen dazu, uns so sehr mit den eigenen Problemen zu beschäftigen, dass wir übersehen, was im Rest der Welt passiert. Klar, in Europa oder den USA ist die Lage brenzlig. Vor allem die US-Verbraucher sind zu hoch verschuldet, als dass sie die Weltwirtschaft ankurbeln könnten. In der Vergangenheit finanzierten die Amerikaner ihren Wohlstand - und den von Exportnationen wie Deutschland - auf Pump. Inzwischen deutet sich ein Umdenken an. Ein Anstieg der Sparquote ist wahrscheinlich. Umgekehrt dürften steigende Arbeitslosenzahlen den Konsum zusätzlich belasten.

Ganz anders sieht es in Schwellenländern wie China, Indien oder Brasilien aus. Diese Länder sind nicht mehr vom Westen abhängig und ihr Wachstum ist stärker von der steigenden Binnennachfrage und dem Handel untereinander geprägt. Die Menschen beginnen gerade erst, ihre Kauflaune zu entdecken. Experten erwarten, dass das kommunistische China die USA bis zum Jahr 2020 als größten Konsumenten der Welt ablösen wird.

Die Chinesen sind bereit

Bereits jetzt zeigt sich: Die Mittelschicht wächst rasant. Mit wachsendem Wohlstand nimmt der Konsum zu. Der Einzelhandel verzeichnet nach den jüngst veröffentlichten Zahlen rund 16 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr. Der Binnenkonsum kann den Rückgang bei den Exporten zwar noch nicht ganz ausgleichen, aber deutlich abfedern. Insgesamt wird Chinas Wirtschaft trotz sinkender Exporte in diesem Jahr um acht Prozent wachsen.

Das hat wiederum sein Gutes für die westliche Welt. Denn davon profitieren Unternehmen, die bereits heute in den Schwellenländern stark vertreten sind. So verzeichnen Henkel und Beiersdorf etwa ein Drittel ihres Absatzes in den aufstrebenden Märkten. Unter den europäischen Unternehmen liegen sie damit weit vorne. Noch stärker sind etwa Unilever, British American Tobacco und Anheuser-Busch Inbev mit einem Schwellenländeranteil von 50 Prozent vertreten. Spitzenreiter mit einem sehr hohen Anteil von über 70 Prozent ist die Brauerei SAB Miller.

Was die Stunde geschlagen hat, hat man übrigens an allerhöchster Stelle schon erkannt. US-Präsident Barack Obama sagte vor wenigen Tagen: "Wir müssen mehr nach China exportieren, wir müssen verantwortungsvoller beim Sparen werden." Zugleich müsse China den heimischen Konsum ausbauen. "Das Schöne ist, dass die chinesischen Verbraucher meiner Einschätzung nach auch bereit sind, mehr zu konsumieren."

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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