Bulle & Bär
Das Spiel der Zocker und Insider

Ein kleines Ratespiel: Welche Aktie ist zurzeit die auffälligste im Dax? Die Antwort fällt nicht schwer: Volkswagen. Ablesen lässt sich das ganz einfach an der Volatilität.

FRANKFURT. Die Volatilität wird in Prozent berechnet und gibt an, wie stark der Kurs innerhalb eines bestimmten Zeitraums vom Mittelwert abweicht. So schwankte der VW-Aktienkurs in den letzten 30 Tagen um mehr als 70 Prozent – weit mehr als bei anderen Dax-Unternehmen. Am wenigsten passierte bei der Deutschen Telekom, deren Volatilität zuletzt gerade einmal bei 18 Prozent lag. Die Aktie gilt als langweilig. Man könnte aber auch sagen, sie steht für Stabilität.

Ganz anders VW. Seit Monaten herrscht hier Chaos. Über den Machtkampf zwischen VW und Porsche ist bereits seitenweise geschrieben worden. Erst wollte Porsche den Konkurrenten aus Wolfsburg übernehmen, jetzt schlägt dieser offenbar zurück. Wild wird darüber spekuliert, was die Familien Porsche und Piëch im Schilde führen – und welche Rolle dabei Niedersachsen und Katar spielen. Genaues wissen nur die genannten selbst, vielleicht noch die eine oder andere Bank. Sagen will keiner etwas. Der Aktienkurs bewegt sich derweil rauf und runter, immer im Zickzackkurs. Gestern ging es zeitweise knapp fünf Prozent ins Minus.

Wenn eine Aktie so ein unberechenbares Eigenleben führt, dann lässt jeder Anleger mit gesundem Verstand die Finger davon. Viel zu gefährlich, das Spiel der Zocker und Insider mitzuspielen. Für Fondsmanager ist die Sache weniger einfach. Sie müssen ihr Ergebnis an der Entwicklung des Dax messen lassen – der wiederum vom Eigenleben der VW-Aktie verzerrt wird.

Verglichen mit dem, was im vergangenen Herbst bei der VW-Aktie los war, erscheint das harmlos. Die Turbulenzen waren noch größer, das Gewicht im Dax auch. Damals machte VW zwischenzeitlich fast ein Drittel des gesamten Dax-Volumens aus, heute sind es gerade einmal fünf Prozent. Auch weil sich die Deutsche Börse eigens für VW neue Regeln ausgedacht und den Einfluss von VW gekappt hat. Doch das reicht nicht. Es wird Zeit, dass die Börse die Stammaktien von VW aus dem Dax entfernt.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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