Bulle & Bär
Dax-Aufsteiger: Zeit der Krisengewinnler

Wenn am kommenden Mittwoch der Deutsche Aktienindex überprüft wird, könnte die große Stunde für ein Duo schlagen, das bereits in der Vergangenheit als Aufstiegsfavoriten gehandelt wurde. Denn was nun zählt, sind Qualitäten, die besonders zwei Dax-Werte nicht mehr bieten können.

Viel versucht, bestens positioniert und am Ende doch knapp gescheitert. Rund drei Jahre ist es her, dass der Hamburger Konsumgüter-Hersteller Beiersdorf über mehrere Quartale hinweg als Top-Kandidat für den Deutschen Aktienindex (Dax) galt. Gereicht hat es nie. Und als sich im Anschluss die Besitzverhältnisse änderten und nur noch weniger als ein Viertel der Aktien frei gehandelt wurden, da schienen die Chancen auf eine Aufnahme in den erlesenen Kreis der Top 30 endgültig passé.

Umso verblüffter stellen viele krisengeschüttelte Börsianer fest, dass sich der Hersteller von Nivea Creme und Tesa Film nach Jahren in der zweiten Reihe nun vehement zurückmeldet. Schon bei der nächsten Dax-Überprüfung am kommenden Mittwoch dürfte es soweit sein. Dann fällt die Deutsche Börse die Entscheidung über Auf und Ab, die kurz vor Weihnachten umgesetzt wird. Ein Präsent für Beiersdorf, mit dem bis vor kurzem kaum einer gerechnet hat.

Gleiches gilt für den Stahl-Konzern Salzgitter. Nachdem sich dessen Aktienkurs zwischen 2005 und 2007 versiebenfacht hatte und alle Welt nach Stahl lechzte, schien die Tür weit offen in die erste Börsenliga. Es klappte auch hier nicht. Doch jetzt, nachdem die Aktie seit dem Frühsommer rund 70 Prozent an Wert verloren hat, wird sie wohl wie Beiersdorf ebenfalls in den Dax aufsteigen. Vorausgesetzt, der Solar-Hersteller Q-Cells, der Salzgitter zuletzt bei Börsenwert und Aktienumsätzen ziemlich nahe gekommen ist, setzt nicht auf den letzten Metern noch zum Überholen an, wonach es im Moment aber nicht aussieht.

Keine Frage, Beiersdorf und Salzgitter dürfen sich als Krisengewinnler freuen. Müssen doch mit Automobil-Zulieferer Continental und dem Immobilien-Finanzierer Hypo Real Estate (HRE) zwei Unternehmen ihre Plätze zwangsläufig räumen, die bei weiterem Verbleib dem Renommee des Dax als Abbild der 30 größten und bedeutendsten deutschen Konzerne Schaden zugefügt hätten. Die Conti-Aktien belastet die Übernahme durch die Schaeffler-Gruppe, HRE ist ein Opfer der Finanzkrise mit einem Verlust von 97 Prozent in einem Jahr.

Aber auch wenn der erwartete Aufstieg von Beiersdorf und Salzgitter der Schwäche von Continental und Hypo Real Estate entspringt, so werden beide die Qualität des Dax zweifellos verbessern. Beiersdorf hat sich zuletzt als äußerst krisenresistent gezeigt und seinen Gewinn in den ersten neun Monaten gar um 19 Prozent gesteigert. Die Aktie hat seit dem Einbruch der Märkte im Frühsommer zwar rund 20 Prozent verloren, sich damit aber besser gehalten als der Schnitt. Salzgitter hat zwar weitaus mehr verloren, hat aber zuletzt völlig überraschend seinen Gesamtjahresausblick angehoben.

Die Aussage für künftige Dax-Aspiraten lautet demnach: Es nützt nichts, stark zu sein, wenn alle anderen stark sind. Viel mehr bringt es, dann noch bei Kräften zu sein, wenn alle anderen schwächeln.

schnell@handelsblatt.com

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