Bulle & Bär
Die Eine-Million-Euro-Frage zu ostdeutschen AGs

Die Frage taugte eigentlich auch für eine Million Euro bei Günther Jauchs "Wer wird Millionär?", speziell in diesen Tagen: Wie viele ostdeutsche Unternehmen sind unter den insgesamt 160 Gesellschaften aus Dax, MDax, TecDax und SDax? Gar nicht so einfach.

FRANKFURT. Der Telefonjoker hat zumindest gewusst, dass kein einziges Dax- und MDax-Unternehmen seinen Hauptsitz dort hat. Fallen also schon mal die Hälfte weg. Unter den 80 verbliebenen Gesellschaften aus TecDax und SDax wird es aber schon deswegen schwer, weil die erstens nicht jedem geläufig sind und - selbst wenn - zweitens nicht sofort einer Region zuzuordnen sind.

Um nun nicht bis zum Ende des Textes einen Spannungsbogen aufbauen zu müssen und auch noch Raum für Erklärungen zu finden, folgt die Auflösung gleich jetzt: Vier der 160 Unternehmen aus Dax, MDax, TecDax und SDax stammen aus Ostdeutschland, alle sind sie im Technologieindex TecDax vertreten. Jenoptik und Carl-Zeiss-Meditec aus Jena, Q-Cells aus Bitterfeld-Wolfen und Roth & Rau aus Hohenstein-Ernstthal nahe Chemnitz.

Hochtechnologie dominiert

Zwei Überraschungen ergeben sich daraus: Erstens sind es tatsächlich nur vier, zweitens sind sie alle in hochspezialisierten Bereichen wie Medizin- und Umwelttechnik oder Mechatronik tätig. Die Tatsache, dass es nicht mehr sind, liegt an der Struktur vieler Landstriche. Vor allem Mittelständler dominieren und bringen es manchmal bis zum Weltmarktführer in ihrer Nische. Den Börsengang haben nur wenige gewagt, um an frisches Kapital zu kommen. Bestenfalls in der Solarindustrie, wo Flaggschiffe wie Q-Cells oder Roth & Rau von dort kommen. Die meisten sind jedoch - typisch Mittelstand - durch einen Großinvestor oder die Hausbank finanziert.

Die Tätigkeit im Bereich der Hochtechnologie bringt das übliche zyklische Auf- und Ab mit sich. Auch für die Aktienkurse der Unternehmen. Besonders der Solarplattenhersteller Q-Cells kann ein Lied davon singen. Als sich dessen Kurs von der Börseneinführung im Jahr 2005 bis 2008 fast vervierfacht hat, war die Aufnahme in den Dax schon in greifbarer Nähe. Nach der Weltwirtschaftskrise ist die Aktie heute wieder rund die Hälfte des früheren Ausgabepreises wert.

Wie erfolgreiche Unternehmen aus DDR-Zeiten auch im Kapitalismus ihren Platz finden, beweisen jedoch Jenoptik und Carl Zeiss Aus dem ehemaligen VEB Carl Zeiss Jena hervorgegangen, haben sich beide Unternehmen inzwischen am Kapitalmarkt bestens etabliert. Carl Zeiss überlebte selbst den Zusammenbruch des Neuen Marktes. Wenige Tage, nachdem dieser im März 2000 seinen Höhepunkt erreicht hatte, ging das Unternehmen an die Börse. Und innerhalb eines Jahres ging es um über 80 Prozent bergab. Das gab es selbst im real existierenden Sozialismus nicht.

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