Bulle und Bär
Die Macht der Pensionsfonds

Investoren wollen von Unternehmen Transparenz zu Emissionen und Klimastrategien und fordern verantwortliches Wirtschaften. Dieser Trend rief bisher bei Unternehmen und den Medien meist nur Achselzucken hervor – es schienen schließlich keine kursrelevanten Entscheidungen dahinter zu stehen. Diese Ignoranz dürfte sich nun ändern.

HB BERLIN. Immer mehr finanzstarke Pensionsfonds aus immer mehr Ländern beachten bei Anlagen nicht nur nachhaltige Kriterien, sondern schmeißen Aktien auch aus dem Portfolio, sollten sie ökologisch, sozial oder ethisch nicht vertretbar sein; so geschehen in den Niederlanden: Die großen Pensionsfonds ABP und PGGM, die mit je mehr als 200 Mrd. Euro verwaltetem Vermögen zu den größten der Welt gehören, verkauften erst kürzlich Wertpapiere von Unternehmen, die Landminen herstellen. Es könne doch nicht sein, dass Lieschen Müller mit ihren Rentengeldern die Verstümmelung von Kindern mitfinanziert, dachten sich die Niederländer, als sie im Fernsehen erfuhren, dass vier heimische Pensionsfonds in US-Firmen investieren, die solche Waffen herstellen. Die Empörung war groß. Die Pensionsfonds erklärten, aus den Aktien auszusteigen und ihre Anlagen zu veröffentlichen.

Mit den öffentlichen Aussagen folgen die Niederländer einem Trend in Skandinavien. Dort hat der staatliche norwegische Pensionsfonds, der Firmenbeteiligungen von bis zu fünf Prozent besitzt, bereits vor Jahren einen Ethikrat installiert. Auf dessen Betreiben stieß der Fonds bereits 20 Beteiligungen ab. Im April etwa verkaufte er seinen Anteil am südafrikanischen Bergbauunternehmen DRD Gold wegen des großen Risikos irreversibler Umweltschäden, im Dezember einen südkoreanischen Streuminenhersteller und vergangenen Sommer die Beteiligung am weltgrößten Einzelhändler Wal Mart, weil dieser offenbar Menschen- und Arbeitsrechte missachtet.

Andere Skandinavische Großanleger folgten seinen Beschlüssen, darunter der Oslo Pension Fund, die Versicherung KLP und der schwedische Pensionsfonds AP2. Im Februar benannten die schwedischen Pensionsfonds AP1 bis AP4 einen gemeinsamen Ethikrat. Er soll die 3 500 Unternehmen, an denen sie beteiligt sind, nach Umwelt- und Sozialstandards beurteilen. Die Norweger weiten zurzeit ihren Aktienanteil von 40 auf 60 Prozent und beachten dabei peinlichst genau ihre ethischen Verpflichtungen. Neben den Ethikräten, überwacht in der Zentralbank ein so genanntes „Corporate Social Responsibility“-Team Anlageentscheidungen auf ökologische und soziale Firmenleistungen.

Unternehmen, die diese Entwicklung ignorieren, werden bald auch von Großanlegern andernorts aufs Abstellgleis geschoben – nicht nur in Norwegen, Schweden oder den Niederlanden.

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