Bulle & Bär
Die Osteuropa-Story zieht

Am 2. Dezember beginnt die Preisfindungsphase für den österreichischen Versicherungskonzern Wiener Städtische und damit in Wien der zweite große Börsengang eines Unternehmens in diesem Jahr, das eine solide Osteuropa-Erfolgsgeschichte zu erzählen hat.

ZÜRICH. Die Wiener Städtische, in zahlreichen Ländern Osteuropas mit deutlichem Abstand hinter Marktführer Allianz die Nummer zwei, will über eine Kapitalerhöhung an der Börse rund 800 Millionen Euro Einnahmen erzielen und für Zukäufe in Osteuropa ausgeben. Einen Börsengang von diesen Dimensionen und mit diesem Ziel hatten die Wiener zuletzt im Frühjahr mit der Raiffeisen International erlebt.

Derzeit befinden sich elf Prozent des Versicherers im Streubesitz, 89 Prozent der Anteile werden von der Wiener Städtische Wechselseitige Versicherungsanstalt-Vermögensverwaltung gehalten. Durch den Börsengang soll nun das Grundkapital der Gesellschaft um etwa 20 Prozent, der Streubesitz auf mehr als 25 Prozent steigen. Günter Geyer, Chef des Unternehmens, legt zur Begründung seiner Zukaufsabsichten in Osteuropa schlüssig dar, dass die Menschen dort nur ein Bruchteil dessen in eigene Versicherungen investieren, was im Westen Europas ausgegeben wird. Das Wachstum, so leitet Geyer ab, muss immens sein.

Die bisherigen Ergebnisse geben ihm Recht. Der Versicherer verzeichnete von Januar bis September 2005 Bruttoprämien von knapp vier Mrd. Euro. Das war ein Prämienplus von 19,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Als Wachstumsmotor erweist sich im Ausland und in Österreich die Lebensversicherung. Die Schaden-Kostenquote des Konzerns nach Rückversicherung konnte auf rund 96 Prozent reduziert werden. Geyer hat die Gewinnprognose mit der Bekanntgabe dieser Zahlen noch einmal angehoben und eine erhöhte Dividende in Aussicht gestellt.

Die Aktie des Versicherers spiegelt dieses Wachstum allerdings bereits wider. Sie hat seit Jahresbeginn um 85 Prozent zugelegt. Der Emissionspreis der neuen Aktien wird voraussichtlich in der Nähe des jetzigen Werts von 46 Euro liegen. Analysten sehen nicht mehr viel Spielraum nach oben. Die Bank Austria Creditanstalt nennt ein Kursziel von 50,90 Euro, und verweist zur Begründung auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis, das schon jetzt über dem der Konkurrenten liegt.

Wer in diesen soliden Wert einsteigt, sollte eine Besonderheit des österreichischen Markts im Blick haben. Die überschaubare Wiener Börse hat gerade bei der Aktie der Wiener Städtischen immer wieder kurze Abschwünge verzeichnet. Der Verdacht liegt nahe, dass sie von Händlern künstlich erzeugt wurden, in dem sie einige tausend Stück verkauften, den Kurs so drückten, um dann einige hunderttausend Stück günstig nachzukaufen. „Kapital ist Macht“, sagt ein Händler. Er fügt hinzu: „Und im kleinen Börsenplatz Wien eine ganz gewichtige.“

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Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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