Bulle & Bär
Dosierte Risiken

Aconitum D3, Belladonna D12, Ledum C30. Nein, das sind keine Zertifikate, die hohe Renditen versprechen, wenn die Annahmen in 30 Seiten Kleingedrucktem am dritten Hexensabbat eines ungeraden Kalenderjahrs, dessen Quersumme kleiner als zwölf ist, ausnahmslos zutreffen. Nein viel, harmloser.

DÜSSELDORF. Aconitum D3, Belladonna D12, Ledum C30. Nein, das sind keine Zertifikate, die hohe Renditen versprechen, wenn die Annahmen in 30 Seiten Kleingedrucktem am dritten Hexensabbat eines ungeraden Kalenderjahrs, dessen Quersumme kleiner als zwölf ist, ausnahmslos zutreffen. Nein viel, harmloser. Es handelt sich um homöopathische Präparate, die Linderung bei allerhand Zipperlein versprechen – etwa bei Übelkeit, wenn schön klingende Zertifikate das Ersparte stark dezimiert haben. Mehr Zusammenhänge zwischen den Heil-Kügelchen und den Subprime-Papieren des Kleinen Mannes sollen hier aber nicht konstruiert werden, das wäre wieder eine andere Geschichte.

Nein hier drängen sich Parallelen zwischen ausgekochten Zertifikaten und halbgaren Versicherungen auf: etwa Heilpraktikertarifen, mit denen die Anbieter Kassenpatienten ködern; damit kommen wir auf die Alternativmedizin zurück, die Mitglieder der solidarischen Krankenversicherung individuell zahlen müssen. Suggerieren derartige Zusatzpolicen doch Privatpatientenstatus und werden gerne verkauft.

Ein Blick ins Kleingedruckte entlarvt diese Angebote allerdings schnell als Spekulationsgeschäfte. So finden sich oft Höchstgrenzen und Erstattungsquoten. Etwa: Der Versicherer zahlt maximal 750 Euro im Jahr und höchstens 80 Prozent des Heilpraktikerhonorars, dafür aber alle zwei Jahre eine Brille, die nicht mehr als 200 Euro kosten darf. Jetzt kommt wieder die Parallele zum Zertifikat: Finger weg von dem, was voller Haken und Ösen und kaum verständlich ist.

Besagter Heilpraktikertarif steht dabei für viele Policen, die nur einen winzigen Bereich abdecken, aber sich meist nur für den Anbieter lohnen: Handy-, Glasbruch-, Reisegepäckversicherungen. Die Liste ließe sich fortlaufend erweitern.

Die Rückbesinnung auf den Zweck von Versicherungen hilft hier weiter: die Absicherung existenzbedrohender Risiken wie Krankheit, Berufsunfähigkeit oder Schadenshaftung. Dies ist notwendig, vieles andere nicht. Für kleinere Widrigkeiten empfiehlt sich die eigene Versicherung: Wer monatlich einen kleinen Beitrag anspart, spart sich einiges – Provisionen, Verwaltungskosten und Ärger, wenn der Versicherer sich auf Ausschlussklausel 30c beruft. Und kleine Risiken lassen sich so meistens gut abdecken, homöopathisch eben.

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