Bulle und Bär
Einfach den Feiertagshandel wieder abschaffen

Donnerstag noch, dann ist es mal wieder für einige Zeit geschafft. Die Rede ist vom Feiertagshandel. Das ist jene Einrichtung, die schon im Frühjahr 2000 eingeführt wurde und trotzdem noch immer der breiten Masse der Privatanleger völlig unbekannt ist. Und selbst diejenigen, die davon wissen, denken nicht daran, an Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Fronleichnam oder dem Tag der Deutschen Einheit mit Aktien zu handeln.

FRANKFURT. In den personell ausgedünnten Handelsräumen der Banken verlieren sich an jenen Tagen einige genervte Händler, die auf gelegentliche Orders aus dem Ausland hoffen. Speziell von der Britischen Insel oder aus den USA.

Um eben jene Klientel zu bedienen, die pro Tag je um die 20 Prozent der Umsätze auf dem Computerhandelssystem Xetra ausmacht, wurde der Feiertagshandel eingeführt. Frei nach dem Motto: Wenn in London und New York gehandelt wird, dann muss auch die Deutsche Börse geöffnet haben. Einzig am 1. Mai gilt dieses Prinzip nicht. Am Tag der Arbeit brauchen in Deutschland auch Börsenhändler nicht zu arbeiten.

Aber auch ansonsten zeigt man Flexibilität, zumindest dann, wenn die USA die Richtung vorgeben. Das führt in der Praxis zu so verqueren Konsequenzen, dass in diesem Jahr an Pfingstmontag kein Handel in Deutschland war, weil in den USA der Kriegsopfer gedacht wurde und deswegen die Wall Street geschlossen war. So mussten auch die deutschenHändler nicht ran.

Nun mag man argumentieren, dass es sich bei den drei Feiertagen Christi Himmelfahrt, Pfingsmontag und Fronleichnam im Mai und Juni um kirchliche Feste handelt, die in anderen Kulturkreisen so nicht begangen werden und auf die die weltweit fließenden Zahlungsströme keine Rücksicht nehmen können. Da diese Feiertage aber in der breiten Masse der Bevölkerung - ob gläubig oder nicht - einen festen Platz haben, stößt der Börsenhandel an diesen Tagen grundsätzliche auf eine breite Front der Ablehnung.

Noch anders verhält es sich am 3. Oktober - dem noch jungen deutschen Nationalfeiertag. Man stelle sich einmal vor, was in den USA los wäre, wenn dort am 4. Juli die Wall Street ihre Pforten öffnen würde. Mit der Begründung, man müsse sich an den Handel in Europa und Asien anpassen. Unvorstellbar! Gleiches gilt für die Franzosen, wenn die am 14. Juli statt die Feierlichkeiten auf der Champs Elysee zu verfolgen sich um den Auswahlindex CAC-40 kümmern sollten. Mon Dieux!

Weil der Feiertagshandel in Deutschland zwar angekommen, aber in den letzten sieben Jahren nie angenommen wurde, gibt es zwei Wege zur Reform: Entweder setzt die Deutsche Börse künftig vollständig auf die amerikanischen Feiertage, hält die Pforten also an den Geburtstagen von George Washington und Martin Luther King sowie an Thanksgiving geschlossen und öffnet dafür weiter an deutschen Feiertagen. Oder sie schafft den Feiertagshandel einfach wieder ab.

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