Bulle & Bär
Endlich Regeln!

In Zeiten, in denen die Forderung nach Deregulierung allgegenwärtig ist, ging zuletzt eine entgegengesetzte Meldung beinahe unter. Die DVFA, der deutsche Analystenverband, und die deutsche Abordnung des internationalen Analystenverbandes CFA haben die „Deutschen Grundsätze für Finanzresearch“ erstellt, die nun auch grünes Licht von der Aufsicht BaFin erhalten haben.

FRANKFURT. Noch ein paar Regeln mehr, ist man auf den ersten Blick versucht zu sagen, hat darauf wirklich die Welt gewartet? Der Sinn des Ganzen erschließt sich erst bei genauerem Hinsehen. Tatsächlich hat sich der Analyse-Sektor in den vergangenen Jahren massiv verändert. Die großen Banken haben ihre Teams über Jahre hinweg massiv abgebaut und stocken erst in jüngster Zeit langsam und gezielt wieder auf.

Auf der Gegenseite wuchsen zu dieser Zeit neue, unabhängige und spezialisierte Analysehäuser wie Pilze aus dem Boden. Vor allem mit dem Siegel der Unabhängigkeit ließen sich hier und da gute Geschäfte machen. Daneben kamen mit dem Wiedererstarken der Börsen ab dem Jahr 2003 jede Menge Börsenbriefe, Online-Dienste und selbst ernannte Gurus zurück, die mit ihren Aussagen gerade bei kleinen, marktengen Werten die Kurse anheizten.

Seriösen Analysten war diese Entwicklung seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge. Deswegen ist es nur allzu verständlich, dass der im Jahr 2004 verabschiedeten Finanzanalyse-Verordnung, die nur den juristischen Rahmen für Analysten vorgibt, nun auch die Regeln für die praktische Umsetzung folgen.

Schließlich ist Research, also die veröffentlichte Meinung des Analysten, nicht gleich Research. Zu unterscheiden gilt es zwischen Basis- und IPO-Research, zwischen einem Update und einer Kurzanalyse. Daneben gibt es noch jede Menge größere und kleinere Statements in Presse, Funk und Fernsehen. Die neuen Grundsätze stellen für Analysten nun erstmals klar, was jeweils enthalten sein muss und was enthalten sein kann.

Hinter vorgehaltener Hand heißt es bei beiden Analystenverbänden, man habe versucht, die Unabhängigen damit „ein bisschen einzufangen“. Was etwas weniger diplomatisch ausgedrückt bedeutet, dass man hofft, dem ausufernden Wildwuchs, der sich in den letzten Jahren im Bereich der Analyse breit gemacht hat, damit endlich eindämmen zu können.

Tatsächlich streben beide Analystenverbände mit den neuen Grundsätzen eine Art Qualitätsoffensive an, mit der sie sich gegen alle Arten von Aktienbewertung abgrenzen wollen, die unterhalb davon angesiedelt sind. Womit wir beim eigentlichen Kern der Sache sind: Wegen der hohen Kosten lastet auf den Analysten innerhalb der Banken großer Rechtfertigungsdruck. Diesem können sie nur standhalten, wenn sie keine Massenprodukte, sondern echten, möglichst exklusiven Mehrwert produzieren. Insofern sind die neuen Regeln quasi ein selbst aufgedrückter Qualitätsstempel.

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