Bulle & Bär
Es darf wieder geträumt werden

Die Börsen-Propheten bremsten nach den vergangenen Blasen ihre allzu optimistischen Prognosen. Ein Brite wird jetzt wieder mutiger. Seine Vorhersage: In 20 Jahren soll der Dow Jones auf über 60.000 Punkte klettern.
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FrankfurtWer erinnert sich an die Herren Glassman und Hassett? Das Autorenduo lancierte im Jahr 1999 den Bestseller „Dow 36000“. In drei bis fünf Jahren sollte das US-Aktienbarometer auf diesen Stand spurten. Damals lag der Dow-Jones-Index bei 12000 Zählern. Kurz nach der Buchveröffentlichung platzte die Internet-Aktienblase, vor drei Jahren dampfte die Finanzkrise die Kurse ein. Heute steht der Dow wieder auf dem 99er-Niveau. Was für eine Prognose?

Plakative Indexziele sind immer gut fürs Marketing. In der damaligen Euphorie waren die genannten Autoren keine Einzelfälle. In den Regalen der Buchhändler lagen auch Printprodukte von Vermögensverwaltern mit weit verwegeneren Titeln. Auf einem Cover lockte der „Dow 40000“. Ultimativer Kaufanreiz war allerdings der „Dow 100000“.

In diesem Jahrtausend haben es Super-Bullen schwerer. Nach zwei katastrophalen Abstürzen in einem Jahrzehnt ist das kaum verwunderlich. Aber jetzt wagt sich wieder jemand aus der Deckung. Der Mann heißt Nick Dewhirst, ein alter Hase im Anlagegeschäft, Chef der kleinen britischen Anlagefirma Integral Asset Management. In seiner Vorschau wird der Dow in zwei Jahrzehnten die Hürde von 60000 Punkten nehmen.

Zehn Prozent jährliche Rendite erscheinen heute absurd hoch

Jetzt ist wieder einmal eine plakative Zahl im Spiel. Immerhin gibt sich der Brite viel Zeit für die jährliche Durchschnittsrendite von rund zehn Prozent. Die Zahl klingt heute absurd hoch. Aber der Stratege will sich wegen zweier Desaster nicht von seiner nüchternen Analyse abbringen lassen.

Er schaut dabei weder auf Monate noch Jahre, sondern denkt sehr langfristig. Danach haben wir seit Anfang des letzten Jahrhunderts drei Zyklen hinter uns gebracht, die jeweils etwa eine Generation dauerten. Die dazugehörigen Bullenmärkte starteten immer in schlechter Stimmung. Das war zuletzt 1982 der Fall.

Laut Dewhirst hat wieder ein Aufschwung begonnen. Von derartigen Prognosen mag man halten was man will. Aber zumindest die Irrtumswahrscheinlichkeit dürfte heute geringer sein als 1999. Aktien sind derzeit zwar nicht billig, aber auch nicht so krass überteuert wie damals. Und von heute an gesehen dürften Aktien eine neue Rolle als Inflationsschutz in Zeiten ausufernder Staatsverschuldung spielen.

Und wer sich an eine künftige Dax-Marke für jährliche zehn Prozent Wertgewinn gewöhnen möchte: In zwei Jahrzehnten hätte die Messlatte für die deutschen Standardwerte die 40000er-Marke hinter sich gebracht.
 

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