Bulle & Bär
Fußball und Börse: Achtung, Länderspiel!

Irland am Samstag, Tschechien am Mittwoch. Fußballfans haben sich beide Termine für die beiden anstehenden EM-Qualifikationsspiele bereits fest in ihrem Terminkalender angestrichen. Und auch die Börsianer werden genau hinsehen. Und zwar nicht nur als Fans, sondern aus purem Geschäftsinteresse.

FRANKFURT. Gehen eines oder gar beide Spiele verloren, dann fallen am Folgetag auch die Kurse. Purer Zufall, werden nun viele sagen. Die beiden US-Wissenschaftler Alex Edmans und Diego Garcia sowie ihr norwegischer Kollegen Oyvind Norli haben diese These jedoch gerade erst belegen können. In über 20 Jahren haben sie über 1 100 Spiele in 39 Ländern für die Untersuchung herangezogen und dabei den Zusammenhang zwischen verlorenen Länderspielen und anschließend fallenden Aktienkursen festgestellt.

Warum das so ist, darüber können selbst die Wissenschaftler nur spekulieren. Am wahrscheinlichsten ist wohl, dass mit der Niederlage auf dem Fußballfeld auch die Stimmung einer ganzen Nation leidet. Wesentliches Indiz: Kleine Werte, die überwiegend bei heimischen Investoren liegen, verlieren in der Regel deutlich stärker als beispielsweise die großen Dax-Werte. Denn die liegen vor allem in den Depots ausländischer Investoren, denen Länderspiele der deutschen Mannschaft entweder egal sind oder - noch schlimmer -, die sich gar noch darüber freuen, wenn sie verliert.

Ebenfalls kann nur darüber spekuliert werden, warum dieser Effekt ausgerechnet beim Fußball eintritt. Die drei Wissenschaftler haben zwar herausgefunden, dass es einen signifikanten Zusammenhang auch bei Cricket, Rugby und Basketball gibt, jedoch längst nicht in dieser Ausprägung.

Die Praxis zeigt, warum: Wer im Bekanntenkreis nach dem letzten Ergebnis der deutschen Cricket- oder Rugby-Nationalmannschaft fragt, der wird bestenfalls die Gegenfrage ernten, ob es so was überhaupt gibt. Gleiches gilt für die Frage nach dem Abschneiden der deutschen Basketballer bei der Europameisterschaft im Sommer. Kaum einer weiß noch, ob sie dritter, fünfter oder siebter wurde.

Nur Fußball bewegt die breite Masse also, sogar bis zu ihren Anlageentscheidungen. Der Umkehrschluss, dass ein gewonnenes Länderspiel am Folgetag die Kurse nach oben treibt, lässt sich indes nicht herstellen. So wie nach verlorenen Spielen ein Gefühl von rückläufiger Produktivität und geringerer Konsumneigung auftritt, gibt es nach gewonnenen Spielen so gut wie keinen positiven Effekt. Stattdessen gilt in der Regel: Weitermachen wie bisher!

Egal, wie die kommende Woche zuerst auf dem grünen Rasen und dann auf dem Börsenparkett ausgeht, die wahre Bewährungsprobe steht den Anlegern im kommenden Jahr erst noch bevor. Scheidet ein Nationalteam bei einem großen internationalen Turnier aus, beispielsweise der Europameisterschaft im nächsten Sommer, dann geht es in den folgenden Tagen an der Börse so richtig bergab.

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