Bulle & Bär
Garantiezertifikate: Alternative wenns holprig wird

Über Garantiezertifikate gibt es in Deutschland genau zwei Meinungen: Die meisten Privatanleger lieben die Produkte, weil sie mit vollständigem Kapitalschutz ihrem ausgeprägten Sicherheitsdenken entsprechen. Aktivere Investoren und professionelle Anleger lassen hingegen weitgehend die Finger von den Papieren.

FRANKFURT. Zum einen klebt auf Garantiezertifikaten das hässliche Etikett „Finanzinnovation“, das deren Erträge generell der Steuerpflicht unterwirft. Zum anderen hatten die Emittenten die Renditeversprechen häufig an komplizierte Bedingungen geknüpft, die nur schwer zu erfüllen waren. Damit blieb Anlegern oft nur das eingesetzte Kapital. Zog man die Inflation ab, stand am Ende der Laufzeit vieler Produkte ein satter realer Kaufkraftverlust.

Inzwischen haben die Banken die Garantie-Idee aber deutlich weiterentwickelt. Viele jüngere Papiere mit Kapitalschutz sind deutlich besser als der Ruf, der ihnen vorauseilt. Zwar sind die hoch komplizierten Konstruktionen noch nicht komplett vom Markt verschwunden; immer mehr Produkte beteiligen Anleger aber eins zu eins an Kursgewinnen des Basiswertes, andere Emittenten hebeln, also verstärken das Kursplus sogar oder sichern Investoren per Lock-in-Mechanismus einmal erreichte Höchststände. Zudem gibt es kaum noch einen Basiswert, in den man nicht mit Vollkasko investieren kann.

Erstaunlicherweise sinkt mit der wachsenden Qualität der Garantiezertifikate zurzeit das Interesse an ihnen. Nach Angaben des Derivate Forums entfiel im März etwa 35 Prozent des in deutsche Zertifikate investierten Kapitals auf Garantieprodukte. Vor Jahresfrist lag ihr Anteil noch bei 44 Prozent. Grund für den Rückgang ist einerseits die wachsende Konkurrenz durch Teilschutzpapiere wie Express- oder Bonuszertifikate. Andererseits wächst mit steigenden Aktienkursen erfahrungsgemäß die Risikofreude der Anleger. In Zeiten, in denen der Dax kurz vor seinem Allzeithoch steht, ist die Lust auf renditeschwächere Garantiepapiere begrenzt.

Wird es an der Börse holpriger, könnte sich das Blatt jedoch schnell wenden. Hinter den Kulissen arbeiten die Banken deswegen mit Hochdruck an neuen Garantiekonzepten. Der Eifer hat allerdings noch einen anderen Grund: Ab 2009 wird es sich kein Emittent mehr erlauben können, das Segment unbesetzt zu lassen. Mit der Einführung der pauschalen Abgeltungsteuer von 25 Prozent auf alle Kapitalerträge ist die Benachteiligung von Garantiezertifikaten passé. Die überwiegende Mehrheit der Anleger zahlt dann weniger Steuern auf Erträge aus Kapitalschutzprodukten.

Für Investoren, die dem aktuellen Börsenboom nicht trauen, sind Garantiezertifikate trotz Steuermalus auch heute schon eine Alternative. Dabei lohnt auch ein Blick in den reichen Fundus an gebrauchten Produkten. Manch ein Zertifikat schlummert hier zu Kursen zwischen 80 und 90 Euro. Bei einer garantierten Rückzahlung von 100 Prozent sind Gewinne hier von Beginn an garantiert.

drescher@handelsblatt.com

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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