Bulle und Bär
„Gebrauchte“ US-Lebensversicherungen: Auf Leben und Tod

Aktien im Sinkflug, Unternehmensbonds angeschlagen, Staatsanleihen mit Minirenditen, Rohstoffe blasenverdächtig: Was bleibt dem Anleger da noch an Auswahl? In letzter Zeit sind die Anbieter von Fonds, die in "gebrauchte" US-Lebensversicherungen investieren, wieder aktiver.

DÜSSELDORF. Sie kommen mit neuen Produkten an den Markt, versuchen mehr Transparenz zu bieten und durch sorgfältigere Planungen frühere Probleme in dem Marktsegment vergessen zu machen. Aber wie attraktiv sind diese Angebote wirklich?

"Gebrauchte" Lebensversicherungen aus den USA sind nicht mit denen aus Deutschland oder Großbritannien zu vergleichen. Es handelt sich um reine Risikolebensvesicherungen. Der Anleger (beziehungsweise der Fonds) kauft also einen Vertrag, nach dem eine exakt festgelegte Summe ausgezahlt wird, wenn der Kunde stirbt. Wie hoch die Rendite ist, hängt allein davon ab, wie lange der Kunde, der seine Ansprüche verkauft hat, noch lebt. Dagegen ist sie völlig unabhängig von allem, was sonst am Kapitalmarkt passiert - das macht im heutigen Umfeld den Reiz aus.

Es gibt freilich Unterschiede zwischen den einzelnen Angeboten. Manche sind als "Blind Pool" angelegt: Das heißt, der Fonds weiß noch nicht, welche Verträge er kauft. Daraus erwächst zusätzliche Unsicherheit über den Verlauf des Investments. Wichtig auch: Manche Anbieter kaufen sogenannte "initiierte Verträge". Das sind Policen, die letztlich auf Veranlassung der Firmen abgeschlossen wurden, die sie später aufkaufen wollen. Weil das dem Sinn einer Versicherung eigentlich widerspricht, ist dieses Thema in den USA juristisch und politisch heiß umstritten. Die Anbieter versuchen, auch durch Einschaltung spezialisierter Anwälte, wasserdichte Konstruktionen zu finden. Aber wer weiß, ob sie wirklich allen Anfeindungen standhalten? Als weniger risikoreiche Variante gibt es "gebondete" Verträge. Hierbei wird eine Auszahlung der Summe bei Erreichen eines bestimmten Alters garantiert (wie das in Deutschland ohnehin üblich ist bei Lebensversicherungen). Für den Anleger bedeutet das eine kalkulatorische Mindestrendite, eine Absicherung nach unten.

Natürlich gilt auch hier : Je sicherer die Angebote, desto niedriger die Renditen. Außerdem lauern hier Fallstricke, die es auch bei anderen geschlossenen Fonds gibt: Die Investments sind hochkomplex, der Anleger bindet sich auf Jahre ohne Ausstiegsmöglichkeit, die Anbieter sind meist kleinere Firmen. Speziell bei den US-Policen kommt hinzu, dass das amerikanische Versicherungsrecht extrem kompliziert und in den einzelnen Bundesstaaten zum Teil auch noch unterschiedlich ist. Wer also mit einer Anlage liebäugelt, sollte sich intensiv informieren und nicht zu viel Geld riskieren. In den letzten Jahren haben auch die großen Investmentbanken diesen Markt entdeckt. Aber nach den Erfahrungen mit der Subprime-Krise ist das ja keine Empfehlung mehr.

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