Bulle & Bär
Geologie ist Trumpf

Die Hausse der Rohstoffpreise läuft und läuft, nun schon fünf Jahre – wie lange noch? Starke Trends kulminieren in Übertreibungsphasen, denen ein Kollaps folgt. Von solchen Übertreibungen sind die Commodities noch weit entfernt, auch wenn das besonders im Blick stehende Gold gestern wieder ein 25-Jahres-Hoch markierte.

FRANKFURT. Ein Blick zurück: Es gab fünf langfristige Aufschwünge der Rohstoffpreise in den vergangenen 200 Jahren. Die kürzeste Hausse dauerte 15 Jahre, die längste vier Dekaden. Wenn sich Geschichte wiederholt, ist die Wende demnach frühestens 2016 fällig, spätestens 2041. Würde die Trendumkehr bereits in Kürze eingeleitet, müssten die Anleger den bevorstehenden Absturz an typischen Exzessen erkennen können.

Was das bedeuten würde? Ein bisschen Phantasie sei an dieser Stelle gewagt: Irgendwann zwischen 2016 und 2041 hätten Minenwerte einen hohen Anteil beispielsweise im breiten US-Aktienindex S&P 500 – heute dagegen hat der Club der 500 großen Firmen mit der Fördergesellschaft Newmont Mining nur ein einziges Gold-Mitglied. Und Aktien wie diese werden in Zukunft häufig gesplittet, weil die Kurse in steigendem Tempo neue Regionen erobern und die Titel optisch zu teuer werden.

Chinesen betreiben viele der weltweiten Ketten von Fitness-Studios. Sport und Frauen interessieren die Besucher kaum. Beim Small Talk geht es um Gewinne: Einer hat mehr mit Barren verdient, der andere mehr mit Münzen. Einer handelt online über Dubai, ein anderer lässt sich die Ware in seine Lagerstelle in Osteuropa einliefern. Derivate sind aus der Mode.

Vor den Banken bilden sich lange Schlangen: Die neueste Prägung des Gold-Dinars aus dem Mittleren Osten ist ein Verkaufsrenner. Einige Unis platzen aus den Nähten, weil der akademische Nachwuchs auf jeden Fall Geologie studieren will. Der Hip-Hopper der Zukunft erobert mit seinem Song über den märchenhaften Aufstieg eines mittellosen Iraners zum Ölmagnaten die Charts.

Ein russischer Oligarch betreibt den Money Channel, eine Umwidmung nach dem Aufkauf von Bloomberg TV. Schon zur Rush Hour am Morgen flimmern Diskussionsrunden über Rohstoffe über den Bildschirm. Gebannt verfolgen die Fahrgäste in den U-Bahnen auf ihren Handy-Nachfolgemodellen die Sendungen, nebenbei die Fußball-WM 2018. Der Stürmer-Star Indiens schwingt nach dem gewonnenen Finale stolz eine Trophäe aus Kupfer über dem Kopf, Gold ist längst viel zu teuer.

Reisegesellschaften machen Reibach mit Explorationstouren. Ein Geheimtipp sind Schürf-Ausflüge in die Anden, Lama-Reiten für Kinder inbegriffen. Die Übernachtungskapazitäten in den wenigen inländischen Regionen wie am klassischen Edelsteinfundort Idar-Oberstein sind erschöpft.

Soweit die Phantasie. Bis zu diesen Exzessen ist es ein weiter Weg.

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