Bulle & Bär
Grün ist die Hoffnung

Green Shoots? Was ist das denn? In angelsächsischen Börsenkommentaren wimmelt es plötzlich von diesen „grünen Trieben“. US-Notenbankchef Ben Bernanke hat die Wort-Kombi kreiert. So kommt die Anlagebranche zu ihrem neuesten Modebegriff.

FRANKFURT. Die Anleihe aus der Pflanzenwelt soll die ersten zarten Sprösslinge einer Wirtschaftserholung einfangen. Was da bisher keimt, sind allerdings anhaltend schlechte Nachrichten, die nur nicht ganz so schlecht ausfallen wie erwartet. Eine echte Trendwende ist das kaum. Aber es reicht für ein dickes Aktienplus: 40 Prozent für den Dax in zweieinhalb Monaten.

Erst einmal vorbei sind die Zeiten, in denen Finanzhäuser zu „Zombie Banks“ mutieren, wo „Toxic Paper“ Bilanzen ruinieren. Notenbanken pumpen „Phantom Dollars“ in die wirtschaftlichen Blutkreisläufe, angeführt von „Helicopter Ben“, der Geldscheine vom Hubschrauber über den US-Bürgern abwerfen lässt – wobei Skeptiker meinen, bei der jetzigen Größenordnung sei „B 52-Ben“ der passendere Spitzname. Negative Schlagworte eines solchen „Doomsday Scenario“ rücken in den Hintergrund zugunsten der neuesten Kreation – grün klingt eben irgendwie naturbelassen, also positiv.

Trotz Stimmungsbesserung müssen sich Anleger in den nächsten Monaten auf anhaltend hohe Kursschwankungen einstellen. Positive und negative Kräfte liegen im Clinch: Querschläger von der Finanz- und Wirtschaftsfront sind jederzeit möglich, die eher optimistischen Erwartungen können leicht enttäuscht werden; auf der anderen Seite stehen Unsummen an geparktem Geld, das bei sinkender Risikoscheu den Weg an die Märkte zurückfinden und die Aktienkurse treiben würde.

Die jetzt von den Notenbanken und Staaten ins System gepumpten Billionen haben die Börsen beflügelt. Pessimisten sehen den nächsten Kursrutsch davon allerdings nur aufgeschoben. Sie haben für diese staatlich verordnete Finanzmarktblase schon den passenden Begriff: die „Bailout Bubble“. Wenn sie platzt, müssten die grünen Hoffnungen in eine Fußnote der Börsengeschichte verbannt werden.

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