Bulle und Bär
IKB: Nichts für Witwen und Waisen

Die heftigen Turbulenzen um die bisher als kreuzbrav geltende Mittelstandsbank IKB und der rasante Kurssturz der Aktie liefern abermals den Beweis, dass an den Aktienmärkten trotz Tausender Analysten-Prognosen nichts vorhersehbar ist. Wer hätte jemals geglaubt, dass sich der Wert dieses klassischen Witwen- und Waisenpapiers innerhalb einer Woche nahezu halbiert? Für Anleger ist es dennoch nicht zu spät, um zu reagieren.

DÜSSELDORF. Bei der Düsseldorfer Bank wurde das Publikum Zeuge eines Doppellebens. Ein Institut, das so solide scheint, dass es schon langweilt, hat sich klammheimlich im großen Stil an hochriskanten US-Immobilienfinanzierungsgeschäften beteiligt und dafür noch Bürgschaften gegeben. Selbst den besten Profis ist dieses Spiel entgangen. Die hat eher überzeugt, dass sich die IKB-Aktie über Jahre besser entwickelt hat als der Dax. Julius Bär, Dr. Jens Ehrhard, UBS, DIT, BNP Asset Management - die Liste der glanzvollen Namen unter den Aktionären ist lang.

Wer sich als Privatanleger verführt sah, ebenfalls IKB-Aktien zu kaufen, sollte jetzt schleunigst sein Portfolio überprüfen. Auch wenn es schwer fällt: Es lohnt nicht zu warten, bis sich ein Papier wieder auf die alten Höchststände erholt hat. Das kann noch sehr lange dauern. Ein Paradebeispiel für solche falschen Anleger- Hoffnungen liefert die Deutsche-Telekom-Aktie - sie hat es bis heute nicht geschafft, alte Höhen zu erklimmen. Ersparnisse sollten so breit gestreut sein, dass die Vermögensentwicklung nicht von ein paar wenigen Titeln abhängt.

Ein Trost für alle, die die IKB-Aktie schon länger halten und denen der Verkauf jetzt schwer fällt: Dividenden eingeschlossen hält sich der Verlust trotz des jüngsten Kurseinbruchs je nach Zeitraum in Grenzen. Wer etwa die Aktie vor fünf Jahren gekauft hat, hat sie zu einem ähnlichen Kurs wie heute erstanden. Selbst zum Höhepunkt der Spekulationsblase am 30. Juli 2000 war sie mit umgerechnet 16,58 Euro keinesfalls überteuert. Da die IKB stets ansehnliche Dividenden gezahlt hat und von dem Platzen der Blase nur mäßig betroffen war, liegt die Gesamtrendite der Aktie seit 30. Juli 2000 mit rund 4,45 Prozent ähnlich hoch wie beim Dax. Schlechter ist die Lage für Anleger, die den Titel erst in den vergangenen beiden Jahren zu Kursen von über 25 Euro gekauft haben. Doch auch hier gilt: Raus damit, wenn zu viel davon im Portfolio steckt.

Auf der anderen Seite: Märkte tendieren bei schlechten Nachrichten zu Überreaktionen. Wer keine IKB-Aktien hält und gerne mal was riskiert, kann sich jetzt einen Kauf überlegen. Immerhin hält die IKB einen Marktanteil von 16 Prozent im begehrten Mittelstandsfinanzierungsgeschäft. Mit einem Kurs-Gewinnverhältnis von rund fünf ist die Aktie zudem optisch sehr billig. Sie könnte sich bald wieder ein Stück weit erholen. Doch Vorsicht, dieser Tipp ist hochspekulativ. Nichts für Witwen und Waisen. Daher sollten nicht mehr als zwei oder drei Prozent des Vermögens in der Aktie stecken.

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