Bulle und Bär
Investmentbanken: Verlockende Rendite

Den US-Investmentbanken weht von allen Seiten ein harter Wind ins Gesicht. Das bringt auch die Kurse ihrer Anleihen unter Druck und lässt im Gegenzug die Renditen und die Risikoprämien gegenüber sicheren Staatsanleihen in die Höhe schnellen.

FRANKFURT. Auf der einen Seite belasten Abschreibungen auf Wertpapiere und Kredite, die im Zuge der Subprime-Krise unter Druck gekommen sind, die Investmentbanken immens. Rund 23 Prozent der weltweiten Abschreibungen von bislang um die 255 Mrd. Dollar fallen auf US-Broker. Daneben drohen ihnen durch die Flaute im Investment-Banking Gebühren als zentrale Einnahmequelle zu entgehen.

Trotz allem schaffen es die US-Broker nach wie vor, sich Geld über neue Anleihen zu beschaffen. Für risikofreudige Investoren, die Kursschwankungen aushalten können, bieten sich hier durchaus Chancen. So hat vergangene Woche Goldman Sachs eine neue Anleihe mit zehn Jahren Laufzeit über 1,25 Mrd. Euro platziert. Dabei entschieden sich die Goldmänner wie schon öfter für eine Mindeststückelung von 1 000 Euro. Die macht das Papier auch für Privatanleger erschwinglicher als die bei anderen Banken oft gängigen Nominalvolumina von 50 000 Euro pro Stück.

Die neue Anleihe von Goldman Sachs (ISIN XS0361975443) hat einen Zinsschein von 6,375 Prozent. Seit der Ausgabe ist der Kurs schon leicht auf gut 100 Prozent gestiegen, woraus sich eine jährliche Rendite von noch knapp 6,4 Prozent ergibt. Zum Vergleich: Vor einem Jahr mussten sich Anleger bei einer zehnjährigen Goldman-Anleihe noch mit weniger als 4,9 Prozent Rendite zufrieden geben. Auch im Vergleich zu anderen Bankenanleihen ist der Goldman-Bond von der Rendite her attraktiv. Über sechs Prozent Verzinsung suchen Anleger bei den meisten europäischen Großbanken vergeblich.

Trotzdem gilt Goldman Sachs - Finanzkrise hin- oder her - alles andere als gefährdet. Seit dem vergangenen Jahr musste die Bank weniger als fünf Mrd. Dollar abschreiben. 2007 erwirtschaftete der Branchenprimus ein Rekordergebnis von 11,6 Mrd. Dollar. Im ersten Quartal dieses Jahres brach der Gewinn zwar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 51 Prozent auf 1,5 Mrd. Dollar ein. Das ist aber immer noch vorzeigbar, zumal das erste Quartal vielen anderen Banken einen Verlust bescherte. Zudem verfügte Goldman Sachs Ende Februar über liquide Mittel von 60 Mrd. Dollar. Zudem zeigte zuletzt die Rettung des US-Brokers Bear Stearns, den JP Morgan mit Unterstützung der US-Notenbank übernommen hat, wie unwahrscheinlich die Pleite einer großen Investmentbank ist.

Fazit: Die Finanzkrise ist noch nicht ausgestanden, und Goldman Sachs geht gerade im Eigenhandel höhere Risiken ein als andere Häuser. Deshalb könnten die Bond-Kurse auch von Goldman durchaus noch fallen. Bislang hat der Konzern die Krise aber beachtlich gemeistert, und Goldman-Anleihen gelten daher auch bei vielen Analysten als Favorit unter den US-Brokern.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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