Bulle & Bär
Junk-Bonds: Zu früh für den Einstieg

Die Anleihen von Unternehmen mit schwacher Bonität bieten so hohe Renditen wie seit gut viereinhalb Jahren nicht mehr. Durchschnittlich satte 13 Prozent pro Jahr gibt es für Anleger, die jetzt auf Euro lautende, sogenannte Junk-Bonds kaufen.

FRANKFURT. Vor gut einem Jahr – also vor dem Ausbruch der Subprime-Krise – mussten sich Investoren mit durchschnittlichen sechseinhalb Prozent zufrieden geben.

Aber auch wenn sich die Renditen binnen 14 Monaten verdoppelt haben, ist Vorsicht angesagt. Denn den despektierlichen Namen Junk-Bonds, also Schrottanleihen, haben die Papiere nicht umsonst.

Junk-Bonds gibt es von den Schuldnern, denen die Ratingagenturen nur eine mangelnde Kreditwürdigkeit einräumen. Die Ratingnoten dafür beginnen bei „BB+“ von Standard & Poor's und Fitch oder „Ba1“ von Moody's. Die Junk-Bond-Unternehmen sind aufgrund hoher Schulden, der Abhängigkeit von wenigen Geschäftsfeldern und nur geringer Margen besonders anfällig bei einem Konjunktureinbruch.

Und genau dieser steht – in welchem Ausmaß auch immer – zu befürchten. Ein Ende der Abschreibungen als Folge der Subprime-Krise um schwache US-Hypothekenschuldner ist noch nicht abzusehen. Der Verfall der US-Immobilienpreise ist noch in vollem Gang. Hohe Inflation und hoher Ölpreis belasten Verbraucher und Unternehmen. Entsprechend nehmen Unternehmen reihenweise ihre Gewinnprognosen zurück. Die Horrorszenarien haben zwar die Kurse der Junk-Bonds schon absacken und im Gegenzug ihre Renditen deutlich steigen lassen. Wichtige Tests stehen den Papieren aber noch bevor.

So ist zum einen in Europa in diesem Jahr trotz aller Ängste noch kein Schuldner ausgefallen. In den vergangenen zwölf Monaten wurden laut Ratingagentur Moody's in Europa nur 0,7 Prozent aller Junk-Bonds nicht bedient. Darunter waren Papiere der Automobilzulieferer Schefenacker aus Deutschland und Teksid Aluminium aus Italien. Bis Ende des Jahres prognostiziert Moody's einen Anstieg der Ausfallquote in Europa auf 2,7 Prozent. Theoretisch spiegeln die Bondkurse diese Ausfallquoten bereits wieder, aber: Wenn es zur ersten Pleite kommt und Investoren den Ausfall tatsächlich spüren, dürfte das die Unsicherheit steigern und die Kurse somit weiter unter Druck bringen.

Dazu kommt, dass Unternehmen in Europa seit dem Ausbruch der Finanzkrise keine neuen Junk-Bonds begeben haben. Damit ist nicht klar, wie viel Investoren für neue Papiere verlangen würden und wie deutlich das die ausstehenden Papiere belasten würde. Unternehmen mit guten Ratings, die den Markt durchaus angezapft haben, mussten für neue Anleihen satte Renditeaufschläge gegenüber ausstehenden Papieren zahlen. Dadurch forcierten sie die Neubewertung des gesamten Marktes.

Die Zeichen bei Junk-Bonds stehen also auf weiter fallende Kurse. Für einen Einstieg ist es zu früh.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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