Bulle & Bär
Konsumwerte: Ein Volk von Hasenfüßen?

Lange hatten wir von uns selbst gedacht, wir Deutsche seien ein Volk von Hasenfüßen und Angstsparern. Geht es mit der Wirtschaft nach unten, dann horten die 82 Mill. Landsleute ihr Geld lieber auf Sparbüchern, Fest- und Tagesgeldern statt fröhlich weiter dem Konsum zu frönen, hieß es bisher. Doch das ist falsch gedacht!

FRANKFURT. Die Deutschen geben ihr Geld lieber aus, heißt es in einer am Mittwoch präsentierten Studie der Investmentgesellschaft Axa. Frei nach dem Motto „Nach uns die Sinnflut“ könnten sich also in nächster Zeit Karstadt – sorry Arcandor – Douglas und Metro über Heerscharen konsumwütiger Kunden freuen. Und ihre Aktien wären nicht mehr Ladenhüter, sondern die neuesten und heißesten Trends.

Bevor nun Börsianer und Konsumforscher diese Studie für völlig weltfremd halten, weil sie sich so überhaupt nicht mit ihren Erfahrungen deckt, sei ein Blick auf die Erhebung erlaubt. Die Grundfrage lautete nämlich: „Stellen Sie sich einmal vor, sie hätten 50 000 Euro zur freien Verfügung, zum Beispiel durch einen Lottogewinn oder eine Erbschaft. Was würden Sie wohl am ehesten mit diesem Geld tun?“

Die Bereitschaft, das Geld in Investmentfonds (kein Wunder bei deren Entwicklung) in investieren, hat demnach gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent auf 14 Prozent nachgelassen. Und bei Sparbüchern (kein Wunder bei der Rendite) sind es nur noch 33 statt 35 Prozent. Stattdessen sind das eigene Heim (30 Prozent) und die Abteilung „Größere Anschaffung“ mit 38 Prozent am beliebtesten. Und 14 Prozent hätten es für Kleidung und Elektrogeräte ausgegeben. Wer jetzt schon auf zusammen über 100 Prozent kommt und damit die Studie in Frage stellt, dem sei gesagt, dass Mehrfachnennungen möglich waren.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Deutschen doch kein Volk von wilden Konsumenten werden, ist dennoch groß. Das liegt vor allem an der Fragestellung, die suggeriert, man hätte einfach mal einen unverhofften Geldsegen empfangen, der nicht gleich wieder für Miete, Raten oder sonstige laufende Kosten draufgeht, sondern mit dem mal gelebt werden kann. Eine Situation, von der zwar viele immer träumen, die aber nur bei den Allerwenigsten auch wirklich eintrifft.

Deswegen haben viele der Befragten wohl auch nur einmal nachgedacht und spontan ihren Wünschen freien Lauf gelassen. Gemäß dem Motto: Ist ja eh nicht realistisch. Wäre es tatsächlich so gekommen, dass plötzlich 50 000 Euro auf dem Konto wären, hätten die meisten Befragten nach einer Nacht des Überschlafens wohl eine konservativere Antwort gegeben. Damit wären wir wieder bei den Hasenfüßen und Angstsparern, die Douglas, Arcandor und Metro das Leben im Moment so schwer machen.

Eines macht aber Hoffnung: Unter allen Befragten aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, Belgien und den Niederlanden sind wir die Spendabelsten. 38 Prozent würden einen Teil des Geldes der Familie schenken. Darauf lässt sich aufbauen.

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