Bulle & Bär
Langweilige Indexfonds sind gefragt

Was wäre die Welt ohne Anglizismen? Nichts. Was wäre die Finanzwelt ohne sie? Gar nichts. Nun drängt ein neues amerikanisches Kürzel an die Ohren der deutschen Privatanleger. Und es bringt kein Gift ins Depot wie ABS, die krisengeschüttelten forderungsbesicherten Anleihen. Im Gegenteil: Mit börsengehandelten Indexfonds oder Exchange Traded Funds, kurz ETFs, sollen die Depots gesunden.

FRANKFURT. In Deutschland sind die vermeintlich langweiligen Produkte immer stärker gefragt. Sie kosten nur einen Bruchteil der Gebühren von aktiv verwalteten Fonds. Sogenannte aktive Manager wollen durch Auswahl von Einzelpapieren ihren Index schlagen. Doch diese "Helden" verkalkulieren sich meist und liefern weniger Rendite ab als ihr Vergleichsindex, etwa der Deutsche Aktienindex.

Eine wichtige Rolle spielen dabei die höheren Kosten, sprich Handelskosten im Fondsportfolio bei Umschichtungen. Indexfonds müssen nur bei den eher seltenen Anpassungen der Messlatte ihr Portfolio umbauen. Der Kostenvorteil wird nach Einführung der Abgeltungsteuer im kommenden Jahr noch stärker zu Buche schlagen. Außerdem erwarten Experten dann Gebührenerhöhungen bei den aktiven Fonds. Das wäre noch ein weiteres Plus für die vermeintlichen Langweiler.

Aber die Banken verkaufen lieber eigene und teure Produkte. An den Billigheimern können sie nichts verdienen, denn beispielsweise auf die im Fondsgeschäft üblichen Ausgabeaufschläge müssen sie verzichten. Die Quirin Bank errechnet für ein Depot mit ETF-Bausteinen bei einer Anlage von 100 000 Euro nach zehn Jahren eine Endsumme von über 160 000 Euro. Das sind im Beispiel 20 Prozent mehr Ertrag gegenüber einem typischen aktiv verwalteten Dachfonds.

Erst wenige Berater verkaufen ETFs. Die Anlagegesellschaft Veritas bietet Dachfonds an, die ausschließlich in ETFs investieren. Quirin setzt sich jetzt als erste ETF-Bank Deutschlands in Szene - damit wirbt sie. Sie stellt Depots für jeden Geschmack nur mit diesen Instrumenten zusammen, die sich auf Aktien, Anleihen oder auch andere Vermögensformen wie Immobilien beziehen.

Wenn die Fachleute recht behalten und sich die deutsche Anlageszene so entwickelt wie in Amerika, steht ein großer ETF-Aufschwung erst noch bevor. Im Moment nutzen vor allem institutionelle Investoren die Bausteine. Hierzulande hat nur jeder zehnte Privatanleger ETFs, während amerikanische Verbraucher schon fast zwei Drittel ihrer frischen Anlagemittel in diese Produkte stecken.

Laut Quirin Bank wird das ETF-Vermögen der deutschen Privatanleger von jetzt 2,5 Milliarden Euro bis zum Jahr 2012 auf über 45 Milliarden Euro anschwellen. Auch andere Fachleute verbreiten Optimismus. In der kommenden Ära geringer Kapitalmarktrenditen werden billige Produkte noch wichtiger als sie es bisher schon sind. Die Zukunft gehört den Billigheimern.

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