Bulle & Bär
Mit Spikes in den Frühling

Der Frühling kommt und es wird Zeit, die Spikes für den nächsten Winter einzulagern. Börsianer dagegen leben jetzt in der Spike-Saison. Sie sehen an mehreren – meist engen – Märkten ungewöhnliche und drastische Kursausschläge nach oben. Im Börsengang nennt man so etwas Spikes.

FRANKFURT. Salonfähig gemacht hat den Begriff Goldman Sachs. Vor einem Jahr lancierten die Banker eine Ölstudie. Darin war sogar von einem „Super-Spike“ bis auf 105 Dollar je Barrel die Rede. So teuer könnten 159 Liter des Energieträgers wegen der starken Nachfrage und der unsicheren Angebotslage werden, meinten die Analysten. Damals kostete Öl noch 57 Dollar, heute sind es 72 Dollar.

Beim Öl würde sich der Spike als stachelartige Spitze eines Kursverlaufs an einen mehrjährigen Aufschwung anschließen. Ebenso war es Ende der 90er-Jahre auf anderem Terrain, als die Tech-Aktien-Euphorie in eine solche überschießende Kursphase mündete.

Es gibt aber auch extrem stachelige und spitze Spikes ohne lange Vorlaufzeit, die praktisch aus dem Nichts heraus auftreten und schnell wieder zusammenfallen. Ein Klassiker war 1999 der Exzess bei japanischen Nebenwerten. Invesco-Fondsmanager Masato Kawada avancierte kurzfristig zum Star, weil er mit drei Aktienfonds in diesem Segment das Geld seiner Anleger in nur einem Jahr mehr als versechsfachte, ehe der Fonds den rapiden Niedergang erlebte.

So selten Spikes in der Historie auftauchen, so erstaunlich ist die aktuelle Häufung. Ein heimisches Beispiel sind die Aktien von Solarunternehmen. Die Aktie Solarworld etwa ist heute 20-mal so teuer wie vor zwei Jahren, bei anderen Unternehmen sieht es kaum anders aus.

Besonders Spike-trächtig erweisen sich zurzeit die Rohstoffmärkte - vor allem Kupfer und Silber sind hier verdächtig. Ihre Preiskurven über die vergangenen Jahre zeigen mit zunehmender Beschleunigung nach oben – am Ende steigt die Linie fast vertikal. Aus Anlegersicht ist vor allem der enge Silbermarkt interessant. In den vergangenen Tagen dagegen sprang die Notierung häufig um 30 bis 50 Cent nach oben und liebäugelt jetzt mit 15 Dollar je Unze.

Spikes sind selten und außergewöhnliche Gelegenheiten zum Geld verdienen. Allerdings gibt es an den Börsen keine Garantien für künftige Gewinne, in solchen Extremphasen schon gar nicht. Für den Silbermarkt gibt Rainer Maier, früher Metallhändler bei UBS und jetzt Eigentümer einer Metallhandelsfirma in Zürich, mit seiner Prognose einen guten Gradmesser für Chancen und Risiken: Der Preis könne kurzfristig noch auf 50 Dollar oder höher springen, schätzt Maier. Allerdings sei die jüngste Beschleunigung von spekulativen Anlegern getrieben. Sollten diese kalte Füße bekommen, wäre auch ein Sturz bis auf sechs Dollar möglich.

Jetzt bei Silber oder anderen Spike-Objekten einzusteigen, hieße Roulette spielen. Nervenschwache Anleger sollten vor Käufen Preisberuhigungen abwarten.

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