Bulle & Bär: Nahrungsmittel
Kampf ums Essen

Es fegt eine Angstwelle über den Globus: Die Preise für Lebensmittel explodieren, Millionen hungern, Proteste und Aufruhr erschüttern die Dritte Welt, es drohen soziale und politische Krisen. Bildgewaltige Mitschnitte von Tumulten schüren die Sorgen. Weltbank-Präsident Robert Zoellick warnte am vergangenen Wochenende gar vor möglichen Unruhen in 33 Ländern.

FRANKFURT. Die Meldungen häufen sich. Gestiegene Preise für Milch, Butter, Käse machten hier zu Lande Schlagzeilen. In armen Ländern sorgt eher die Explosion der Maispreise für Aufruhr. Mais ist heute drei Mal so teuer wie vor drei Jahren. Jetzt liefern sich Asiaten Straßenschlachten mit der Polizei, weil sie ihr Grundnahrungsmittel, den Reis, nicht mehr bezahlen können. Binnen Wochen hat sich der Reispreis verdoppelt. Es geht ums Überleben. Eine Milliarde Menschen muss mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen.

Der Agrarsektor steckt in einem Dilemma. Drei Milliarden Schwellenland-Bewohner fordern mehr Wohlstand. Sie wollen mehr und besser essen. Doch das Angebot an Nahrungsmitteln hinkt der steigenden Nachfrage hinterher. Ein unseliger Mix aus Klimawandel, Energienot und lange vernachlässigter Agrarforschung belastet. Dürren, Überschwemmungen, Missernten drücken die Ernten. Wichtige Landflächen fallen der Verstädterung zum Opfer. Wo Mais und andere Rohstoffe für Biosprit angebaut werden, fehlen sie auf dem Mittagstisch.

Die Gemengelage passt zu trendiger Scharzmalerei. Anfang der siebziger Jahre erschütterte der Bestseller "Die Grenzen des Wachstums". Der Report des Diskussionszirkels Club of Rome sah die Welt bei Bevölkerungswachstum mit steigendem Rohstoffverbrauch und wachsender Umweltverschmutzung am Rande des Abgrunds. Doch er war wissenschaftlich angreifbar und geriet in den folgenden Boom-Jahrzehnten ohnehin in Vergessenheit.

Nun ist das Revival in vollem Gange. Vor drei Jahren landete Jared Diamond mit "Kollaps" einen Bestseller. Der US-Wissenschaftler zählt in seiner historischen Studie Umweltzerstörung und Klimawandel zu den wichtigsten Gründen für den Untergang von Zivilisationen. Jetzt legt ein deutscher Sozialpsychologe nach. Harald Welzer zeichnet in "Klimakriege" Szenarien brutaler politischer Radikalisierung - alles Auswirkungen des Klimawandels und dadurch schwindender Ressourcen.

Wer als Anleger den Menschen helfen will, der sollte spenden. Er kann aber auch die Entwicklung der Wirtschaft vor Ort fördern. Das geht über Fonds, die unter dem Stichwort Mikrokredit dem Einzelnen schon mit kleinen Summen den Start eines kleinen Unternehmens ermöglichen. Das hat sich bewährt. Investments in Agrarprodukte sind die Option aus reiner Anlegersicht. Sie entwickeln auch mit Blick auf zwei der wichtigsten Finanzmarktthemen Charme: Sie kennen im Gegensatz zu Aktien keine Konjunkturangst; und sie sind im Gegensatz zu Anleihen inflationsresistent.

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