Bulle & Bär
Optionsscheine sind fast wie Lotto

Das Lottospiel zieht viele magisch an. Jeder weiß, dass er fast mit Sicherheit keine sechs Richtige abräumen wird. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei mickrigen 0,00000715 Prozent. Aber das schreckt nicht ab.

FRANKFURT. Auch die Optionsscheinkäufer schreckt es nicht, das viele Scheine im Totalverlust münden. Die Spekulation auf fallende oder steigende Kurse mit hohem Hebel ist eben nur etwas für wirklich Hartgesottene. Verkaufs- und Kaufoptionen, sprich Puts und Calls, verbreiten ein Art Casino-Atmosphäre.

Seit ein paar Wochen spielen die Spekulanten unter veränderten Regeln. Grund sind die stark gestiegenen Schwankungen an einigen Märkten, vor allem bei Aktien und Indizes wie dem Dax, insbesondere aber bei Schwellenländern und bei Rohstoffen. Die Emittenten berechnen die Preise der Scheine nach mathematischen Formeln. Darin spielt die Schwankungsstärke der Basiswerte, die so genannte Volatilität, eine wichtige Rolle. Und mit steigender „Vola“ steigt das Niveau der An- und Verkaufspreise.

Händler von der ABN Amro Bank bestätigen, dass dieser Vola-Effekt am stärksten bei einigen Rohstoffen und hier bei Silber durchschlägt. Nach starkem Anstieg bis Anfang Mai fällt der Silberpreis seit einigen Wochen deutlich und vor allem unter hohen Schwankungen. Waren vorher Tagesbewegungen von bis zu zehn Cent die Regel, gehören seitdem Schwankungen von einem halben Dollar oder mehr zum Alltag. Dadurch steigt die Chance, dass ein Schein einmal mit Gewinn ausgeübt werden kann.

Ein lang laufender Silber-Call von ABN Amro mit Basispreis über dem aktuellen Preis illustriert den Effekt. Silber hatte in wenigen Monaten die Hälfte an Wert gewonnen, der Schein sich fast verdreifacht. In den vergangenen vier Wochen dagegen verlor das Metall ein glattes Fünftel an Wert, der Schein nur wenig mehr. Bei unveränderter Vola wäre der Schein-Kurs dagegen richtig in den Keller gerauscht.

Wer Hebelpapiere vor dem Beginn der Turbulenzen ins Depot genommen hatte, profitierte von diesem Effekt. Experten von Goldman Sachs weisen jedoch darauf hin, dass heutige Käufer von Puts und Calls wegen des Vola-Effektes grundsätzlich teurer einsteigen als noch vor vier Wochen.

Die Spekulanten werden gelassen bleiben. Sie glauben an zukünftige heftige Marktbewegungen. Extreme Trends gab es immer wieder. Vor vier Jahrhunderten wurden für eine Tulpenzwiebel 24 Wagenladungen Korn, acht Mastschweine, vier Kühe, vier Fässer Bier sowie einige Tonnen Butter und Käse bezahlt. Die Käufer waren allerdings nach dem Platzen der Zwiebelblase ruiniert. Schön wäre es gewesen, hätte man damals frühzeitig Zwiebel-Calls gekauft und rechtzeitig in Puts getauscht. Aber das sind Phantasien. Realität ist: Scheine-Käufer von heute bezahlen einen hohen Preis für ihre Hoffnungen. Einen zu hohen, wenn sich die Märkte wieder beruhigen sollten.

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