Bulle & Bär
Pfleiderer-Aktie: Lukratives Holz

Turbulenter hätten die vergangenen Wochen für den bayerischen Holzwerkstoffhersteller Pfleiderer und seine Aktionäre nicht sein können: Erst gaben die Kartellbehörden endgültig grünes Licht für die Übernahme des schwedischen Laminatherstellers Pergo. Dann wurde Vorstandschef Hans Overdiek bei einem Autounfall schwer verletzt; kurz darauf verkaufte seine Frau Aktien im Wert von mehr als fünf Millionen Euro. Schließlich legte das Unternehmen ein Rekordergebnis für 2006 vor. Gleichzeitig gingen an der Börse jedoch die Kurse in den Keller.

Am Ende der Turbulenzen steht für die Anleger ein Kursrutsch um fast ein Fünftel auf rund 21 Euro. Ihr Rekordhoch bei 27,25 Euro aus dem Mai 2006 hat die -Pfleiderer-Aktie damit vorerst aus den Augen verloren. Vor allem der Unfall Overdieks hat die Investoren aufgeschreckt. Gilt der Vorstandschef doch als Garant des Erfolgs bei Pfleiderer. Seit seinem Amtsantritt vor dreieinhalb Jahren hat Overdiek das Unternehmen, aus der Verlustzone geführt, hat ihm eine klare Strategie verpasst und neue Märkte in Osteuropa und Nordamerika erschlossen. Die Aktie, die 2003 noch bei rund drei Euro dümpelte, zählte seither zu den Top-Werten in Deutschland.

Die Sorge der Anleger vor einem längeren Ausfall des Vorstandschefs ist nachvollziehbar, ebenso die Irritationen über seinen Aktienverkauf, zumal dieser von seinen Vorstandskollegen unkommentiert blieb. Angesichts der hervorragenden wirtschaftlichen Situation von Pfleiderer scheint die Reaktion aber überzogen. Dank der erfolgreichen Übernahme der badischen Kunz-Gruppe hat das Unternehmen den Umsatz im vergangenen Jahr um gut zwei Drittel auf 1,4 Milliarden Euro gesteigert und das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 208 Millionen Euro verdoppelt. Im laufenden Jahr peilt das Unternehmen mindestens 1,6 Milliarden Euro Umsatz und mindestens 235 Millionen Euro Gewinn an.

Die Effekte der Pergo-Übernahme sind in dieser Prognose noch gar nicht eingerechnet. Mit den Schweden, die 1977 das Laminat erfanden, baut Pfleiderer seine Position im lukrativen Geschäft mit dem Parkett-Ersatz kräftig aus. In Nordamerika, wo Experten ein jährliches Marktwachstum von zehn Prozent erwarten, sind die Bayern künftig der wichtigste Anbieter. In Europa bekommen sie mit Pergo überhaupt erst Zugang zu diesem Segment. Damit stößt Pfleiderer in eine neue Dimension vor.

Womöglich schon im laufenden Jahr könnte das Unternehmen die Marke von zwei Milliarden Euro Umsatz erreichen; die Gewinne sollen dabei weiter im zweistelligen Prozentbereich wachsen. Bei diesem Ausblick ist die aktuelle Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 alles andere als teuer, zumal der Vorstand für 2006 eine höhere Dividende angekündigt hat und ein Aktienrückkauf unmittelbar bevorsteht. Für längerfristig orientierte Anleger könnten die Turbulenzen der vergangenen Wochen durchaus ihr Gutes haben, bieten sie doch eine günstige Möglichkeit zum Einstieg.

drescher@handelsblatt.com

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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