Bulle & Bär
Pharma-Alpträume

Wer sich ein Bild davon machen will, was im Pharmageschäft alles schief laufen kann, sollte mal einen Blick auf Bristol-Myers Squibb (BMS) werfen.

FRANKFURT. Der US-Konzern, Ende der 90er-Jahre noch in der Spitzengruppe der Arzneimittelindustrie, erlebte seither einen mehr oder weniger stetigen Niedergang. Der Umsatz blieb deutlich hinter der allgemeinen Marktentwicklung zurück. Wichtige Zukäufe wie die Übernahme der Dupont-Pharmasparte oder der Lizenzrechte am Krebsmittel Erbitux entpuppten sich als maßlos überteuert, Neuentwicklungen wie das Herzmittel Vanlev als Flop. Mit dem Cholesterin-Senker Pravachol hat in diesem Jahr ein weiteres Spitzenprodukt von BMS den Patentschutz verloren.

Zu all dem gesellt sich nun auch noch die Krise um den Bestseller Plavix. Einlizenziert von der französischen Sanofi-Aventis, liefert dieses Mittel zur Blutverdünnung bislang rund ein Fünftel des Umsatzes und knapp ein Drittel des Gewinns von Bristol-Myers. Doch dieses Geschäft erscheint inzwischen fast komplett bedroht, nachdem die kanadische Apotex vor wenigen Wochen eine Nachahmer-Version von Plavix auf den Markt brachte. Und ausgerechnet ein Deal, der die Kanadier von der Vermarktung eines Plavix-Generikums abhalten sollte, entpuppte sich dabei als Falle für Bristol-Myers.

Ob es noch gelingt, Apotex per einstweiliger Verfügung zu stoppen, wird in den nächsten Tagen ein New Yorker Richter entscheiden. Selbst bei einem positiven Urteil wäre der Schaden für BMS erheblich angesichts der großen Mengen an Plavix-Kopien, mit denen der Markt bereits überschwemmt ist. Schon jetzt scheint klar, dass der Konzern im zweiten Halbjahr mit deutlich sinkenden Erlösen rechnen muss. Und kann er Apotex nicht stoppen, droht 2007 ein weiterer Einbruch. Ob nun auch BMS-Aktionäre einen weiteren Einbruch fürchten müssen, ist damit freilich nicht gesagt. Denn auch in diesem Fall könnte sich die Erfahrung bestätigen, dass die Nacht am schwärzesten vor der Dämmerung ist.

Seit Anfang des Jahrzehnts hat die BMS-Aktie immerhin bereits drei Viertel ihres Wertes eingebüßt. Der US-Konzern wird inzwischen nur noch mit gut dem Doppelten seines Umsatzes und dem Fünfzehnfachen des Gewinn gehandelt – und ist damit deutlich billiger zu haben als die meisten Konkurrenten. Alleine seit Anfang August schrumpfte die Marktkapitalisierung um fast acht Mrd. Dollar. Das ist mehr als die Gewinne, die BMS mit Plavix noch bis zum offiziellen Patentablauf im Jahr 2011 einfahren könnte.

Gleichzeitig wächst die Chance, dass der glücklose Firmenchef Peter Dolan abgelöst wird. Sein Nachfolger könnte einen radikalen Umbau einleiten – oder den Konzern zum Verkauf stellen. Auch wenn das alles noch keine Trendwende für die Aktie garantiert: Zumindest spricht es dafür, dass BMS-Investoren die schlimmsten Albträume überstanden haben.

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