Bulle & Bär
Ramsch wird in Geld verwandelt

Hohe zweistellige Renditen? Die gibt es nur noch in Börsen-Geschichtsbüchern. Seit knapp zwei Jahren ist Finanzkrise. Doch ein Markt glänzt mit sehr hohen Verzinsungen: der für Unternehmensanleihen mit schlechtem Rating, den "Junk Bonds".

FRANKFURT. Zu den Optimisten für diese Ramschanleihen gehört Martin Fridson, ein in den USA anerkannter Experte für die Titel, deren hohe Renditen ein großes Risiko kompensieren sollen. Im vergangenen halben Jahr haben diese Dollarbonds mutigen Investoren einen Wertzuwachs von 44 Prozent geliefert, während weltweite Aktien etwa auf Ausgangsniveau liegen.

Derart extreme Wertzuwächse aus Zinseinnahmen und Kursgewinnen sind alles andere als normal. Aber außergewöhnliche und völlig unerwartete Ereignisse sind in der Krise zum Alltag geworden. Bestes Beispiel ist die Pleite der Investmentbank Lehman Mitte September 2008. Als Reaktion auf die Nachricht kollabierten die Firmenanleihen.

Erst dieser Absturz hat die anschließende Erholung möglich gemacht. Auch jetzt noch liegen die Notierungen nur moderat über den Ausverkaufskursen während der beiden letzten großen Krisen. Diese wurden ausgelöst durch die Pleiten der Ramschanleihen-Bank Drexel Burnham Lambert vor zwei Jahrzehnten und der Telekomfirma Worldcom vor sieben Jahren.

Optimisten wie Fridson erwarten deshalb - von heute aus gerechnet - noch einen satten Wertgewinn von einem Viertel über die kommenden zwölf Monate. Eine erwartete Insolvenzquote von zehn Prozent ist einkalkuliert. Die Performanceschätzung für den relativ kleinen Hochzinsmarkt der Euro-Anleihen ist ähnlich.

Die Risiken der Modellrechnung liegen in überraschend vielen Pleiten. Auf Erwartungen ist hier nur begrenzt Verlass. Auch der dramatische Kurssturz bei Ramschpapieren in den Wochen nach der Lehman-Pleite war ein Ereignis, das rein statistisch nur alle 27 000 Jahre erwartet wird. Das heißt aber nicht, dass jetzt für die nächsten 27 000 Jahre alles in Butter ist. Für Junk-Bond-Käufer ist die Botschaft: Sie müssen Vertrauen in die wirtschaftliche Zukunft mitbringen.narat@handelsblatt.com

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