Bulle & Bär
Rentenmärkte: Europa-Meister Schweiz

Für den schon in der Vorrunde der Fußball-Europameisterschaft ausgeschiedenen Gastgeber Schweiz ist es wohl kein Trost, aber immerhin: An den Rentenmärkten sind die Schweizer Europameister. Kein anderes Land muss für seine Anleihen so wenig Zinsen zahlen wie die Eidgenossen.

FRANKFURT. Die im europäischen Vergleich noch niedrigen Inflationsraten und Leitzinsen gepaart mit einer Top-Bonität lassen zum Beispiel fünfjährige Franken-Obligationen mit nur gut drei Prozent rentieren.

Am Rentenmarkt des Euro-Währungsgebiets ist Deutschland Meister. Andere ebenfalls mit der Top-Bonität "AAA" eingestufte Länder wie der EM-Co-Gastgeber Österreich sowie Frankreich, Holland und Spanien müssen für ihre Anleihen um die 0,15 Prozentpunkt mehr Rendite zahlen als Deutschland für seine Bonds. Das liegt vor allem daran, dass deutsche Anleihen die niedrigsten Spannen zwischen An- und Verkaufskursen haben und von daher besonders gut handelbar sind. Das hat sich in der Finanzkrise noch verstärkt. Vor einem Jahr lagen die Liquiditätsprämien - also die Renditeaufschläge - für andere "AAA"-Länder bei nur 0,05 Prozentpunkt.

Absolut gesehen ist die Refinanzierung über Anleihen aber natürlich auch für Deutschland teurer geworden. Die Ängste vor Inflation und Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) haben die Renditen kräftig steigen lassen.

Für Anleger ergeben sich daraus Chancen. Sie sollten - wenn sie die Papiere bis zur Fälligkeit halten und nicht auf enge Handelsspannen angewiesen sind - einen Blick über die deutschen Grenzen werfen. Dabei bieten im Euro-Raum Italien und Griechenland die höchsten Renditen. Für fünfjährige italienische Bonds gibt es 5,03 und für griechische Papiere 5,15 Prozent Rendite. Das sind für Italien knapp, und für Griechenland gut ein halber Prozentpunkt mehr als für ähnlich langlaufende deutsche Papiere. Eine Rendite von über fünf Prozent gab es für fünfjährige Bundesanleihen zuletzt im November 2000. Von der Bonität her stehen Italien und Griechenland zwar schlechter da als Deutschland. Dass die Länder zahlungsunfähig werden, ist aber kaum denkbar.

Wer noch mehr Rendite mit Euro-Bonds will, muss auf Staaten außerhalb der Euro-Zone ausweichen. Deutschlands EM-Gruppenrivale Kroatien zum Beispiel bietet für eine sechsjährige Euro-Anleihe eine Rendite von knapp 5,7 Prozent. Das Land gilt mit Ratings im Bereich Dreifach-B als noch solide und sollte von der Aussicht auf einen mittelfristigen Beitritt in die EU profitieren.

Das einzige bei der Fußball-EM vertretene Land, dessen Bonität die Ratingagenturen mit Noten im Non-Investment-Grade als ausfallgefährdet einstufen, ist die Türkei. Sie muss deshalb auch die höchsten Renditen bieten, zum Beispiel 7,05 Prozent für eine sechsjährige Euro-Anleihe. Für deutsche Fußball-Fans wäre aber auch das wohl kein Trost, falls Deutschland heute im EM-Halbfinale gegen die Türkei verliert.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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