Bulle & Bär
Riskante Sorglosigkeit der Analysten

Auch nach fast vier Jahren Kursanstieg stehen die Zeichen am Aktienmarkt auf Wachstum. Das hohe Vertrauen in die Börsen zeigt sich schon daran, dass bei kleineren Rückschlägen wie Ende vergangener Woche sofort neue Käufer den Markt stützen. Das nährt die Hoffnung auf eine Jahresendrally und unterfüttert die Prognosen der Bankanalysten, die für 2007 unisono weitere Kursanstiege in Aussicht stellen.

FRANKFURT. Aber halt: Lehrt uns nicht die Vergangenheit, bei den Vorhersagen der Profis Vorsicht walten zu lassen? Oft genug stellten sich deren Schätzungen als falsch heraus. Auch für 2006 liegen die Banken voraussichtlich daneben: Im Durchschnitt hatten sie den Dax per Jahresultimo bei 5 700 Punkten gesehen, mehr als 6 100 Punkte hatte dem Index niemand zugetraut.

Vor diesem Hintergrund erstrahlen die aktuellen Prognosen für 2007, die von 6 700 bis 7 500 Dax-Punkten reichen, in einem anderen Licht. Was ist, wenn es wieder anders kommt? Die Profis wiegeln ab: Mit Rückschlägen sei im kommenden Jahr durchaus zu rechnen, für eine deutliche Korrektur gebe es aber keine Anzeichen.

Vielleicht gibt es die aber doch. Denn die Anleger an den Kapitalmärkten blenden – verwöhnt vom störungsfreien Jahr 2006 – die Risiken zurzeit völlig aus. Das zeigt sich an den niedrigen Renditeaufschlägen für Firmenanleihen ebenso wie an den ungewöhnlich niedrigen Schwankungen am Aktienmarkt. Der Volatilitätsindex VDAx liegt mit Werten im niedrigen zweistelligen Bereich knapp über seinen historischen Tiefs – ein klares Zeichen für die Sorglosigkeit der Investoren.

Dabei gibt es durchaus Faktoren, die das Kurs- und Stimmungshoch gefährden. Neben den stets latenten geopolitischen Spannungen und der Gefahr von Terroranschlägen birgt vor allem die US-Konjunktur Unsicherheit. Was, wenn der Immobilienmarkt stärker einbricht, als es die Szenarien unterstellen? Und wer sagt, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen im nächsten Jahr wirklich deutlich senken wird? Immerhin wird die Fed nicht müde, vor anhaltenden Inflationsrisiken zu warnen. Ergänzt um die Gefahr steigender Ölpreise und einer Talfahrt des Dollars ergibt das einen reichhaltigen Korb potenzieller Störfaktoren.

Zugegeben, Schwarzmalerei ist hier fehl am Platz. Aber die Risiken auszublenden, ist es nicht weniger. Anleger sollten die vergangenen Monate nicht als Maßstab nehmen, denn die Börsen befanden sich in der besten aller Welten: Die Konjunktur überraschte positiv, der Ölpreis ging deutlich zurück, auf der Währungsseite war es bis vor kurzem ruhig, und Hurrikane blieben ebenso aus wie Terroranschläge.

Dieses Umfeld wird so nicht fortbestehen. Damit wächst nach fast vier Jahren mit teils rasanten Kursanstiegen die Rückschlaggefahr. Anleger sollten sich ins Gedächtnis rufen, dass die Börsen im langfristigen Durchschnitt nur einstellige Erträge liefern. Und dass Jahre mit Kursverlusten keine Seltenheit sind.

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