Bulle und Bär
Rohstoffe: Die bösen Buben

"Ein Liter Sprit bald über 1,60 Euro." Das titelte ein deutsches Boulevardblatt. Steigende Rohstoffpreise mutieren zum Aufregerthema. Benzin und Nahrungsmittel schüren Emotionen. Die Lage wird immer unangenehmer: Öl ist allein im ersten Halbjahr um die Hälfte teurer geworden, bei landwirtschaftlichen Rohstoffen wie Mais sieht es ähnlich heikel aus.

FRANKFURT. "Ein Liter Sprit bald über 1,60 Euro." Das titelte ein deutsches Boulevardblatt. Steigende Rohstoffpreise mutieren zum Aufregerthema. Benzin und Nahrungsmittel schüren Emotionen. Die Lage wird immer unangenehmer: Öl ist allein im ersten Halbjahr um die Hälfte teurer geworden, bei landwirtschaftlichen Rohstoffen wie Mais sieht es ähnlich heikel aus.

Die Deutschen sind noch recht ruhig. Aber in Amerika gehen die Wogen hoch. Die Kreuzritter der Neuzeit legen ihre Rüstungen an. Sie ziehen gegen vermeintliche Spekulanten zu Felde. Ihre These: Die bösen Buben treiben mit ihren Käufen die Preise in luftige Höhen treiben. Und die Konsumenten leiden unter den kapitalistischen Exzessen. Aber der grobschlächtige Angriff geht möglicherweise an der Wirklichkeit vorbei. Viele Fachleute sehen fundamentale Kräfte am Werk, weniger die Spekulation.

Verantwortlich für die Teuerungswelle ist die größte Völkerwanderung und Wohlstandsmehrung aller Zeiten. Die Hälfte der Menschheit probt den Aufstieg aus der Armut. Allen voran Chinesen und Inder beginnen zu den etablierten Industrieländern aufzuschließen. Das verschlingt enorme Mengen an Ressourcen.

Milliarden von Menschen arbeiten an einer besseren Zukunft. Sie wandern in die Städte und benötigen Häuser, Straßen und Kanalisation. Nach Expertenschätzungen werden in den nächsten 20 bis 25 Jahren 40 Billionen Dollar investiert werden müssen.

Bei diesem Boom kommt das Rohstoffangebot einfach nicht mit. Das schlägt sich bereits jetzt in den Preisen nieder, denn die Schwellenländer haben ihre Aufholjagd vor vielen Jahren gestartet. Frank Holmes, charismatischer Chef der US-Fondsgesellschaft US Global Investors, sagt deshalb ernüchtert: Wir müssen mit höheren Ressourcenpreisen leben und sie akzeptieren.

Die Politiker geraten natürlich unter Druck und reagieren wie immer: Sie denken über Markteingriffe nach. Die Amerikaner werfen jetzt die ersten Ideen in die Runde. Sie wollen Investoren den Einstieg an Rohstoffmärkten erschweren oder gleich ganz verbieten, denken über Eingriffe an den für Rohstoffe entscheidenden Terminmärkten nach. Lobbyisten wie Morgen Stanley und Goldman Sachs, die weltgrößten Rohstoffhändler, halten dagegen. Die Politiker beeindruckt das jedoch kaum. Da braut sich was zusammen.

Dummerweise würden Eingriffe in den Rohstoffhandel ihr Ziel kaum erreichen, weil sie nicht die Ursachen beseitigen. Lehman Brothers hat die Spekulationsthese bereits entkräftet. Die Analysten der Investmentbank verglichen die Preisentwicklung von börsengehandelten und nicht börsengehandelten Rohstoffen. Spekulanten können in gelistete Produkte leichter einsteigen. Deshalb müssten diese Preise stärker gestiegen sein. Das Gegenteil ist der Fall. Deshalb können Rohstoffinvestoren mit ruhigem Gewissen schlafen. Und die Preise werden noch weiter steigen.

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