Bulle & Bär
Sendeschluss für Finanzinformationen

Bald ist Ende mit Finanznachrichten im Fernsehen - jedenfalls bei Bloomberg TV. Der Spartensender stellt die meisten seiner nicht englischsprachigen Kanäle ein. Auch die deutschen Zuschauer müssen bald verzichten auf die Laufbänder mit aktuellen Kursen, die Gespräche mit Experten - die manchmal den Charakter von Verkaufsshows haben. Viele Anleger haben das Interesse an Finanzinformationen verloren.

FRANKFURT. In einer monumentalen Krise sind Investoren Billionen in den Händen zerronnen. Kurse fielen, Werte zerbröselten, Vermögen wurden vernichtet. Ein Signal für antizyklisch denkende Anleger.

Viele Enttäuschte werden für den Rest ihres Lebens nicht mehr den Weg an die Börse finden. Das wäre ein Fehler. Die Grundlagen für Rendite werden in schlechten Zeiten gelegt. Denn wenn die Stimmung am Boden ist, kann es keine Enttäuschungen mehr geben, eher positive Überraschungen. Die Kurschancen steigen.

Das Problem ist: Wann ist der Zeitpunkt günstig? Wer zwei Experten fragt, erhält meist zwei entgegengesetzte Antworten. Hier geht es um den Zugang zu den entscheidenden Informationen. Das heißt konkret: Man muss werthaltige von nutzlosen Informationen trennen, ebenso die fähigen Experten vom Gros der Zunft, das gleiche bei den Beratern.

Hier ist der Normalverbraucher einfach überfordert. Er wird täglich, stündlich, minütlich von Informationen überflutet. Es gibt keinen Crashkurs für Informationsmanagement auf diesem Feld. Es braucht Erfahrung, um zwischen werthaltigen und unwichtigen Informationen sowie zwischen guten und schlechten Beratern unterscheiden zu können. Zwar bietet auch das keine Garantie auf Gewinne. Aber es ist eine unverzichtbare Grundlage.

Aktuell bewerten erfolgreiche Geldverwalter sowohl Aktien als auch höher verzinste Anleihen weiterhin als teuer. Beim Start großer Haussen zeigten Aktien einstellige Kurs-Gewinn-Verhältnisse - die liegen jetzt mehr als doppelt so hoch. Hochzinstitel von Unternehmen kaufte man am besten in Zeiten der höchsten Ausfallraten, sagen die hier verlässlichen Fachleute - davon sind wir noch entfernt.

Das sind Gegenargumente im Gespräch mit jenen Analysten, die jetzt zum Einstieg trommeln. Die Optimisten wittern auch im Sparschritt von Bloomberg TV ein antizyklisches Kaufsignal, getreu der Börsenweisheit: Kaufe, wenn die Stimmung am Tiefpunkt ist.

So weit ist es aber noch nicht. Zwar ist die Krise in den Köpfen der Bürger als Thema präsent, aber bisher ist sie kaum in den Alltag eingedrungen. Das kommt erst , wenn die Wirtschaft weiter absackt und die Arbeitslosenzahlen steigen.

Der Zeitpunkt für einen breiten Einstieg in Aktien und Risikoanleihen ist erst gekommen, wenn in den Informationskanälen wirtschaftliche Untergangsstimmung verbreitet wird und Wertpapiere panikartig verkauft werden. Langfristig investierende Anleger sollten noch auf diese Phase warten.

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