Bulle & Bär
Solar-Fabrik: Lieferant in eigener Sache

Alle Solar-Aktien sind in den letzten Jahren exzellent gelaufen. Wirklich alle? Nein. In Freiburg, der sonnenverwöhntesten deutschen Stadt und gleichzeitig dem Epizentrum der Solarforschung, gibt es ein börsennotiertes Unternehmen, an dem dieser Trend völlig vorbei gegangen ist.

FRANKFURT. Die Solar-Fabrik war zu der Zeit, als bei allen Konkurrenten Umsätze und Gewinne explodierten, schlicht ohne Rohstoff. Astropower, ihr ursprünglicher Lieferant von Solar-Wafern, ging pleite. Und der Nachfolger RWE Solar lieferte nach kurzer Zeit wegen Umstrukturierungen nicht mehr. Zu allem Übel war der Weltmarkt für Wafer just zu diesem Zeitpunkt wegen der starken Nachfrage nach dem Rohstoff wie leer gefegt.

Die Solar-Fabrik ist aus Sicht von Kritikern ein Paradebeispiel für eine überhitzte Branche, deren Wohl oder Wehe von wenigen Lieferanten abhängt. Bei Analystenkonferenzen steht dieses Thema stets ganz oben auf der Agenda. Die Solar-Fabrik ist aber auch ein Beispiel für mögliche Auswege aus dieser Klemme. In den vergangenen anderthalb Jahren hat sich das Unternehmen komplett umstrukturiert. Frei nach dem Motto „Liefert mir niemand den nötigen Rohstoff, so liefere ich ihn mir einfach selbst“ haben die Badener die ganze vorgelagerte Wertschöpfungskette einfach für rund 20 Millionen Euro in Asien zugekauft. In Malaysia einen Waferhändler, in Indien einen Wafer-Aufbereiter und in Singapur einen Zellfertiger.

Die Idee dahinter ist simpel, zeigt aber auch, welche Faktoren in Zukunft die Kurse der deutschen Solarwerte bewegen können. Ursprünglich handelt es sich bei Solarwafern um Abfallprodukte aus der Chip-Industrie. Für Computer müssen diese eine Reinheit von 99 und dann sieben Neunern hinter dem Komma haben. Sonst ist es Ausschuss. Beschleunigt wird dieser Trend dadurch, dass die Anforderungen der Computer-Industrie immer höher werden.

Für einen Solarwafer genügen fünf Neuner hinter dem Komma. Diese Reinheit ist durch Aufbereitung von Ausschuss-Ware relativ

zügig zu erreichen. Die Solar-Fabrik deckt nun ebenso wie der im TecDax gelistete Branchenprimus Solarworld die gesamte Wertschöpfungskette ab. Clou dabei: Beide Unternehmen stoßen damit in den besonders margenstarken Teil vor, der gerade am Anfang der Produktion liegt.

Die Konkurrenten ticken anders. Sie haben mit Lieferanten zwar langfristige Verträge, kommen so also nicht in die Verlegenheit, plötzlich ohne Material dazustehen. Ihre Zukunft und damit auch die ihrer Aktien dürfte jedoch mit daran hängen, wie sehr man in die vorgelagerten Produktionsstufen reinkommt. Bisher hat die Aktie der Solar-Fabrik allerdings noch nicht auf die jüngsten Entwicklungen reagiert. Zu tief scheint noch immer der Frust der Anleger aus der Vergangenheit. Das könnte sich bei Vorlage der Halbjahreszahlen am 28. Juli ändern.

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