Bulle & Bär
Spanischer Immobilienmarkt: Übertriebene Panik

Der Anpassungsprozess auf dem spanischen Wohnungsmarkt hat in den letzten Wochen und Monaten zu starken Reaktionen an der Börse geführt. Eines nach dem anderen der börsennotierten Immobilienunternehmen erlebte einen rapiden Kursverfall und versuchte, sich durch Fusion oder Verkauf von Vermögenswerten über die Runden zu retten.

MADRID. Zwei Unternehmen, Llanera und Habitat, sind bereits zahlungsunfähig. Astroc, Colonial und in den letzten Tagen Renta Corporacion sahen ihre Börsenkurse innerhalb kürzester Zeit auf einen Bruchteil zusammenschrumpfen. Damit verstärken sich die Finanzierungsprobleme der Unternehmen, denn viele ihrer Bankkredite sind durch Aktien gedeckt, also entsprechend an den Kurs gekoppelt. Jedoch ist es nicht geboten, alle spanischen Immobilienfirmen in einen Hut zu werfen.

Auf dem spanischen Wohnungsmarkt gibt es noch immer genug Nachfrage, vor allem von Geringverdienern wie jungen Leuten oder Einwanderern. Damit diese Nachfrage stabilisierend wirken kann, müssen die Preise allerdings sinken. Das tun sie auch, Schätzungen zufolge um etwa fünf Prozent in diesem Jahr

.

Das ist allerdings ein großes Problem vor allem für die spanischen Bauträger. Ihr Marktwert sinkt, die Kredite klemmen. Solche Fälle sind Llanera, Astroc, und Habitat.

Auf der anderen Seite gibt es die Maklerfirmen, die Immobilien vermieten, kaufen oder verkaufen. Deren Aktiva haben bisher wenig oder gar nicht gelitten, und sie sind auch nicht so stark vom Wohnungsbau abhängig. Dies sind Unternehmen wie Colonial, Realia und Metrovacesa oder Renta Corporacion.

Realia und Metrovacesa sind allerdings praktisch als einzige unter den großen Immobilienwerten noch relativ unbehelligt von der Panik der Anleger geblieben. Colonial indes stolperte in den letzten Wochen über seine extrem hohe Verschuldung inmitten eines schwierigen Kreditmarktes. Wenig hilfreich angesichts eines solchen Szenarios war ein zerstrittener Aufsichtsrat und mehrere Großaktionäre, die kalte Füße bekamen und auszusteigen drohten. Aufgrund der relativ stabilen Vermögenswerte des Unternehmens und des extrem niedrigen Börsenkurses hat die Investmentbank UBS jedoch seine Empfehlung mittlerweile schon wieder von "verkaufen" auf "neutral" heraufgestuft.

Wieder ein anderer Fall ist Renta Corporacion, deren Aktienkurs in den letzten Tagen um rund 30 Prozent fiel. Dabei ist Renta Corporacion nach Meinung der Analysten eigentlich das Unternehmen in der Immobilienbranche, das am wenigsten unter der Krise des Wohnungsmarktes leiden müsste. Das Maklerunternehmen verkündete positive Ergebnisse, ist geografisch und auch in seinen Geschäftsbereichen gut diversifiziert. Doch die Kreditklemme infolge der US-Subprimekrise hat dazu geführt, dass Renta Corporacion im letzten Jahr einige Projekte aufschob; gleichzeitig war das Unternehmen nicht bereit, Aktiva unter Preis zu verkaufen. Die meisten Beobachter halten die Börsenreaktion jedoch für übertrieben.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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